Der neue Kurs Griechenlands

Seitdem das Linksbündnis Syriza am vergangenen Sonntag einen überwältigenden Wahlsieg errang, ist Griechenland wieder in aller Munde. Der neu gewählte Ministerpräsident Alexis Tsipras, kündigte an, dass Griechenland den bisherigen Sparkurs nicht weiter tragen wolle und fordert eine Neuverhandlung über die Staatsschulden, die inzwischen einen Umfang von mehr als 320 Milliarden Euro erreicht haben.

Was sind die Ursachen der Staatskrise?

Ganz einfach ausgedrückt, lebt Griechenland über seine Verhältnisse und gibt mehr aus, als es einnimmt. Die Situation entstand nicht erst seit 2010, als die Verschuldung so groß wurde, dass Griechenland sie nicht mehr verheimlichen bzw. verschleiern konnte, sondern besteht bereits seit Jahren. Im Vergleich zu anderen EU Staaten ist der griechische Staatsapparat aufgebläht und arbeitet unproduktiv, das heißt, er benötigt viel Geld und liefert nur wenige Ergebnisse. Dazu kommt, dass infolge von Korruption und Bürokratie viele wohlhabende Griechen keine oder nur nominale Steuern zahlen. Die wenigen Staatseinnahmen versickern im System.

Warum kam es zum Linksruck bei den Wahlen?

Um Griechenland den Weg aus der Schuldenkrise zu ebnen, verordneten die EU, der IWF und private Geldgeber dem Land einen strikten Sparkurs. Der stieß besonders in den ärmeren Schichten der Bevölkerung, die die Mehrheit der Wähler stellen, auf zunehmenden Widerstand, weil sie seine Auswirkungen am drastischsten fühlten. Das ging von Kürzungen der Renten, Löhne und Gehälter, der Streichung von Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld und ähnlichen bis hin zu massiven Preiserhöhungen in allen Bereichen. Dass sich die alte griechische Regierung damit keine Freunde unter ihren Wählern machte, ist völlig klar. Unter den ärmeren Schichten der griechischen Bevölkerung herrschen heute schon teilweise Zustände, die an solche in Ländern der Dritten Welt erinnern. Weil das Linksbündnis Syriza versprach, die Verhältnisse der weniger vermögenden Menschen zu verbessern, war sein Wahlsieg im Grunde genommen vorhersehbar.

Was bedeutet der Kurswechsel Griechenlands für den Anleger?

Nach den Nachrichten vom Wahlsieg der Linken kam es sofort zu einem Kursverfall an der Athener Börse ASE. So hat sich der Aktienwert der National Bank of Greece inzwischen um beinahe die Hälfte verringert. Bei anderen griechischen Banken war die Tendenz ähnlich. Anleger verkauften griechische Staatsanleihen in großem Umfang, was den Kursverfall griechischer Papiere weiter beschleunigt. Kurzfristig ist damit das Investieren in Griechenland zu einem großen Risiko geworden, weil niemand in der Lage ist, zu sagen, wie die Entwicklung des Landes weiter verlaufen wird. Jedoch hätte es auch ohne den Kurswechsel durch Neuwahlen über kurz oder lang einschneidende Veränderungen geben müssen, da es auf Dauer nicht möglich sein wird, die griechische Wirtschaft durch immer neue Kredite zu finanzieren. Obwohl die Nachrichten über den neuen Kurs Griechenlands für Investoren überwiegend negativ sind, gibt es auch positive Effekte. So stieg im freien Handel die Rendite für Papiere mit einer Laufzeit von 10 Jahren um 0,92 Prozent an und liegt momentan bei durchschnittlich 10,15 Prozent, einem Wert, von dem Anleger in Deutschland nur träumen können.

Wie geht es weiter?

Das kann im Augenblick noch niemand genau sagen. Schließlich wurde der neue Ministerpräsident erst vor wenigen Tagen gewählt und ist gerade dabei, Koalitionspartner zu suchen und seine Regierung zu bilden. Selbst dem amerikanischen Präsidenten gewährt man 100 Tage „Schonzeit“ nach dem Amtsantritt. Auf lange Sicht bleibt sowohl der griechischen Regierung als auch der EU nichts anderes übrig als einzusehen, dass sie miteinander leben müssen. Keine Regierung, auch die Griechenlands nicht, kann auf Dauer gegen die Interessen der Wähler regieren. Ebenso notwendig ist aber auch die Unterstützung und Zusammenarbeit mit der EU. Am Ende wird es wahrscheinlich darauf hinauslaufen, dass Tsipras einen Kompromiss zwischen den Interessen der griechischen Wähler und den Forderungen der EU finden muss. Seine ersten Äußerungen deuten bereits in diese Richtung. Er sagte, dass Griechenland nicht mit der EU brechen wolle, aber der Sparkurs neu verhandelt werden müsse. Am besten ist, im Moment erst einmal abzuwarten, was geschehen wird. In der Politik ist es weit verbreitet und durchaus üblich, dass ein neu gewählter Regierungschef sein Amt mit einem mächtigen Paukenschlag beginnt, nicht nur um sich der Gunst seiner Wähler zu versichern, sondern auch um die internationale Gemeinschaft auf die Situation im Land aufmerksam zu machen. Anleger, die in griechische Papiere investiert haben, sollten sich mit der alten Volksweisheit trösten, dass nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

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