Nachhaltige Geldanlage 2016

Nachhaltige Geldanlagen sind ein Trend seit Jahrzehnten, doch in Zeiten der EZB-Nullzinspolitik erlangen sie eine neue Bedeutung. Sparer können endgültig nicht mehr auf Tagesgeld, Sparbuch oder Festgeld hoffen: Es gibt überall nur noch Mikrozinsen.

Nachhaltige Geldanlagen sind ein Trend seit Jahrzehnten, doch in Zeiten der EZB-Nullzinspolitik erlangen sie eine neue Bedeutung. Sparer können endgültig nicht mehr auf Tagesgeld, Sparbuch oder Festgeld hoffen: Es gibt überall nur noch Mikrozinsen. In den Fokus rücken daher Fonds, denen die Deutschen wie allen börslichen Anlagen im Grunde eher misstrauen. Wenn es aber Fondssparen mit nennenswerter Rendite sein soll, dann kommen zusätzliche Motive ins Spiel: Die Geldanlage soll nachhaltig, dabei gleichzeitig ethisch und möglichst umweltgerecht erfolgen.

Wie legen nachhaltige Fonds an?

Es gibt gerade von den ethisch-ökologisch orientierten Banken wie der GLS oder der Umweltbank etliche solcher Anlageangebote, doch die Kriterien für die einzelne Anlage fallen bei den nachhaltigen Fonds unterschiedlich aus. Das schmälert nicht die Nachfrage. Die GLS Bank etwa gewinnt Monat für Monat über 2.000 Kunden hinzu. Es gibt auch sehr traditionelle Banken wie etwa die Dekabank, die solche Fonds im Portfolio führen. Dort haben im Jahr 2015 Anleger 300 Millionen Euro nachhaltig in entsprechende Fonds gesteckt. Sie hoffen, dass sie nicht nur eine Rendite erhalten, sondern auch ökologische und ethische Kriterien vom Fonds-Management berücksichtigt werden. Im Grunde können sie sich bei renommierten Banken mit entsprechender Geschäftsphilosophie auch darauf verlassen, allerdings steigt inzwischen mit der höheren Nachfrage auch die Zahl entsprechender Angebote – und nicht alle erscheinen absolut seriös. Für Privatanleger ist oft schwer zu unterscheiden, was an der Aussage zu einem Fonds nur Marketing ist, was als blitzsaubere Ethikanlage einzuschätzen wäre oder nach welchen Kriterien die Einzelanlagen im Portfolio eines Fonds gelandet sind.

Welche Kriterien gelten für nachhaltige Anlagen?

Genau bei dieser Fragestellung scheiden sich die Geister. Der Bereich der nachhaltigen Investition hat immer noch ein Definitionsproblem. Die unzähligen Begriffserklärungen setzen unterschiedlichste Maßstäbe an. Die Nachhaltigkeitsbeauftragte der Dekabank Marianne Ulrich benennt das Festsetzen von Kriterien als die schwierigste Aufgabe für die Auflage von Nachhaltigkeitsfonds. Es gibt zwar mittlerweile Koordinaten: Subjektive Werten kommen ebenso zum Ansatz wie internationale Normen. Auch wird danach eingeteilt, ob bestimmte Bereiche auszuschließen sind, etwa der Waffenhandel, klimaschädliche Energieerzeugung, der Bereich der Atomkraft oder die Produktion von Waren in Billiglohnländern. Man kann auch Positivkriterien ansetzen. Diese können unter anderem verlangen, dass Unternehmen ein Leitbild für ihre verantwortliche Unternehmensführung entwickelt haben. Diese Kriterien allerdings variieren zwischen einzelnen Banken, Fonds und Bewertungsagenturen. Letztere erstellen Ratings für nachhaltig gemanagte Fonds – eine komplexe und schwierige Aufgabe.

Notenvergabe für Nachhaltigkeit

In drei Schritten wird über mehrere Wochen ein Fonds durch eine Bewertungsagentur überprüft, bis er seine Nachhaltigkeitsnote erhält. Am Ergebnis so eines Ratings orientieren sich Fondsmanager. Die Noten suggerieren Vergleichbarkeit, doch das sei ein Trugschluss, meinen Experten. Die Ergebnisse entstehen auf sehr unterschiedlichen Wegen. Oekom Research etwa, eine international anerkannte Agentur, nimmt die Bewertung in zwei Dimensionen vor: Umwelt und Soziales. Dafür hat Oekom Research pro Branche immerhin 100 Kriterien festgelegt. Diese gehen die Prüfer einzeln durch, um festzustellen, wie nachhaltig, ökologisch und sozial ein Unternehmen wirtschaftet. Es kommt noch ein weiterer Blickwinkel hinzu. Die Bewertungsagentur möchte nämlich wissen, ob das Unternehmen selbst die Einhaltung seiner Vorsätze überprüft. Das wäre der zweite Schritt, der dritte besteht darin, die Einhaltung der definierten Kriterien – jeweils für den Einzelfall – durch externe Quellen zu überprüfen. Nun entsteht die Ratingnote zwischen dem Bestwert A+ und dem Schlusslicht D-. So gründlich gehen aber nicht alle Banken und Bewertungsagenturen vor. Für den Anleger ist daher schwer zu unterscheiden, ob dort, wo “Nachhaltigkeit” drauf steht, auch Nachhaltigkeit drin ist.

Ist den Informationen zu trauen?

Im Grunde: ja. Die Unternehmen kooperieren inzwischen sehr gut mit Bewertungsagenturen, weil diese Kooperationsbereitschaft wiederum ins Rating einfließt. Zudem gibt es diverse externe Quellen, etwa die Berichte von Aufsichtsbehörden, Fachmedien und Nicht-Recgierungs-Organisationen. Gründliche Bewertungsagenturen werten Gerichtsurteile aus, was zunächst wiederum eine komplexe Aufgabe ist, aber einen Beleg dafür liefert, ob es schon einmal Rechtsstreitigkeiten um das Marketing eines als “nachhaltig” benannten Fonds gab. In ganz kritischen Fällen erfolgt die Überprüfung von ethischen Grundsätzen vor Ort, etwa an asiatischen Produktionsstätten von Textilunternehmen. Im Anschluss an die Analysearbeit können Unternehmen die Ergebnisse einsehen und sich äußern, wobei teilweise um einzelne Punkte hart gerungen wird. Die Deka-Fondsmanager führen jährlich mit dem Management von etwa 2.000 Unternehmen persönliche Gespräche. Hinzu kommen computergenerierte Algorithmen, die den Auswahlprozess unterstützen. Neben der Einhaltung von ethischen und ökologischen Kriterien müssen auch harte Finanzdaten stimmen. Die Unternehmen sollen eine über dem Durchschnitt liegende Rendite vorweisen können, und zwar auf ehrliche Weise. Moderne Programme können sogar einschätzen, ob vielleicht eine Bilanzmanipulation vorliegen könnte. Wer nach solchen Kriterien bewertete Fonds wählt, kann sich auf die Nachhaltigkeit seiner Geldanlage wirklich verlassen.

Fazit: Ethik und Rendite passen zusammen

Anleger können auf nachhaltig gemanagte Fonds guten Gewissens setzen, wenn die Bewertungskriterien glaubwürdig sind. Dann kommt zum guten Gewissen in den meisten Fällen eine auskömmliche Rendite hinzu. Diese muss nicht die Grenzen jeder Fantasie sprengen, doch in Zeiten der Nullzinspolitike – siehe oben – sind auch hohe einstellige Prozentwerte sehr zufriedenstellend, wenn sie nachhaltig fließen.

check-cicle check-cicle facebook facebook twitter twitter linkedin linkedin xing xing mail mail print print hamburger hamburger emailout emailout search search shield shield crypto crypto video video desktop desktop android android apple apple bank bank info info apply apply infohover infohover close close