Optionen und Optionsscheine

06.11.2019

Optionen haftet gerne der Ruf einer etwas geheimnisvollen und gerade deshalb reizvollen, aber auch sehr riskanten Geldanlage an. Wer sich nicht sehr gut mit den Finanzmärkten auskennt oder wer sicherheitsorientiert anlegen will, sollte die Finger davon lassen. Diese Einschätzung ist nicht ganz unbegründet, denn als Anleger sollte man die Geldanlage verstehen, in die man investiert. Doch was sind Optionen, und wie funktionieren sie?

Optionen einfach erklärt

Im täglichen Sprachgebrauch nutzen wir den Begriff „Option“ für eine Möglichkeit, die uns offensteht, von der wir aber keinen Gebrauch machen müssen. Wir haben zum Beispiel die Option, uns für eine bestimmte freie Stelle in unserer Firma zu entscheiden und uns darauf zu bewerben. Allerdings müssen wir diese Option nicht nutzen, wir können auf die Bewerbung verzichten.

Ganz ähnlich funktioniert eine Option im Wertpapiergeschäft. Bei einer Option verspricht der Verkäufer dem Käufer ein Produkt für einen zuvor vereinbarten Preis. Der Käufer zahlt eine gewisse Summe, um dieses Produkt innerhalb einer festgelegten Frist oder bis zu einem definierten Zeitpunkt zu kaufen. Der Käufer erhält somit eine Option: Er kann das Wertpapier kaufen, muss es aber nicht. Der Verkäufer profitiert selbst dann von dem Geschäft, wenn sich der Käufer nicht für einen Kauf entscheidet, weil er die Zahlung bereits erhalten hat.

Grundlage einer Option sind verschiedene Basiswerte. Diese Basiswerte können zum Beispiel Aktien und Anleihen, aber auch ein Sachgut oder sogar Nahrungsmittel sein. Im Bereich des Devisenhandels werden Optionen zur Absicherung von Währungsrisiken genutzt. Sie lassen sich also sehr vielfältig einsetzen, deshalb geht die Funktion einer Option über die so häufig zitierte Spekulation weit hinaus. Der Wert der Option ist abhängig vom Kurs des Basiswerts, von der Laufzeit und auch von der Kursschwankung.

Wie unterscheiden sich Long- und Short-Optionen?

Die Begriffe „Long“ und „Short“ beziehen sich auf die Art, wie aus dem Verkauf der Option ein Gewinn entsteht. Dabei kommt es unter anderem auf den Verfallstag an. Der Verfallstag ist der späteste Zeitpunkt, zu dem die Option ausgeübt werden darf. Nach amerikanischem Verständnis kann der Inhaber der Option sein Wahlrecht innerhalb des gesamten Zeitraums bis zum Verfallstag ausüben. Nach europäischem Verständnis darf die Option nur an dem Verfallstag ausgeführt werden, wobei der Verfallstag vor dem Fristablauf liegt.

Von einer Long-Option spricht man, wenn der Anleger eine Option kauft und erwartet, dass der Kurs des Basispapiers – wie zum Beispiel der Aktie – steigt. Der Investor spekuliert also auf einen steigenden Aktienkurs. Bei einer Short-Option verkauft der Anleger seine Aktie mit dem Ziel, sie zu einem späteren Zeitpunkt zu einem niedrigeren Kurs erneut zu kaufen. Er spekuliert darauf, dass er später günstiger kaufen wird. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Kaufpreis entspricht dem Gewinn oder dem Verlust des Anlegers. Bei einer Long-Option entsteht der Gewinn aus einem steigenden Kurs der Aktie, bei einer Short-Option ergibt sich der Gewinn, wenn der Kurs fällt.

Was sind Call- und Put-Optionen?

Optionen unterscheiden sich auch nach der Art des Rechts, das der Käufer erwirbt. Bei einer Call-Option hat der Käufer das Recht, den Basiswert bis oder an dem vereinbarten Verfallstag der Option zu einem festgelegten Preis zu kaufen. Er zahlt also den Preis für die Option für das Recht, den Kauf auszuüben. Diesen Preis bezeichnet man auch als Optionsprämie.

Der Verkäufer erhält die Optionsprämie und ist verpflichtet, die Aktie zu dem vereinbarten Kurs zu verkaufen. Der Inhaber einer Call-Option wird sein Recht auf den Aktienkauf nur ausüben, wenn der Kurs des Basiswerts am vereinbarten Stichtag höher ist als der vereinbarte Preis. Sollte der Kurs geringer sein als der festgelegte Ausübungspreis, könnte der Käufer die Aktie alternativ direkt an der Börse erwerben. An diesem Beispiel wird sehr deutlich, dass der Käufer zwar das Recht hat, die Option in Anspruch zu nehmen, er ist allerdings nicht dazu verpflichtet. Der Verkäufer ist hingegen zum Verkauf verpflichtet, sofern der Käufer sein Recht in Anspruch nehmen will.

Die Put-Option räumt dem Käufer hingegen das Recht ein, den Basiswert zu einem im Voraus festgelegten Wert und zu einem vereinbarten Verfallsdatum zu verkaufen. Der Käufer der Option kann vom Verkäufer den Kauf zum vereinbarten Kurs verlangen. Er macht von seinem Recht Gebrauch, wenn der Kurs der Aktie niedriger ist als der vereinbarte Preis. Der Investor kann seine Aktie dann bei Nutzung der Option zu einem höheren Preis abgeben als er gerade an der Börse gehandelt wird. Der Verkäufer hat dagegen die Pflicht, die Aktien abzunehmen, sofern die Option in Anspruch genommen wird.

Der Unterschied zwischen Optionen und Optionsscheinen

Bei Optionsscheinen handelt es sich um verbriefte Wertpapiere. Bei unterschiedlichen Laufzeiten und Bezugspreisen werden mehrere Optionsscheine ausgegeben. Für Optionen hingegen wird bei unterschiedlichen Laufzeiten und Bezugspreisen jeweils nur eine Option ausgegeben.

Fazit: Vor- und Nachteile von Optionen

Der große Vorteil von Optionen ist die Möglichkeit, dass der Anleger sowohl auf fallende wie auch auf steigende Kurse setzen kann. Sofern Optionen mit einem Hebel versehen sind, ist ein relativ hoher Gewinn bei einem überschaubaren Kapitaleinsatz möglich. Dieser Gewinnchance steht allerdings ein vergleichsweise hohes Risiko mit einem entsprechenden Kursverlust bis hin zum Totalverlust entgegen.

Als Anleger sollte man nur dann in Optionen investieren, wenn man sicher ist, dass man das Finanzprodukt voll und ganz verstanden hat und wenn man sich eine fundierte Einschätzung zutraut, wie sich die Basiswerte zukünftig entwickeln. Nur dann ist es möglich, eine Prognose zur zukünftigen Kursentwicklung abzugeben, um darauf aufbauend die optimale Option zu erwerben und in Anspruch zu nehmen.

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