OTC Trading – Außerbörslicher Direkthandel

OTC Trading ist der Handel “Over The Counter” (“über den Tresen”), der Begriff hat sich für den außerbörslichen Handel durchgesetzt. Dieser wird durchaus auch mit Wertpapieren durchgeführt, die ansonsten börslich gehandelt werden können. Trader von klassischen Optionsscheinen oder Knock-outs kennen das: Sie können zwischen 09.00 – 20.00 h ihre Orders über den Online-Broker direkt an den Börsen in Stuttgart, Frankfurt oder im Xetra-Handel platzieren, von 08.00 – 09.00 h und von 20.00 – 22.00 h können sie dieselben Wertpapiere (fast immer) direkt beim Emittenten kaufen und verkaufen. Darüber hinaus gibt es viele Wertpapiere wie CFDs und Binäre Optionen, die zwar auf börslichen Kursen basieren, weil die Underlyings komplett börsengehandelte Wertpapiere sind, jedoch als Derivate praktisch ausschließlich OTC gehandelt werden.

Überblick des OTC-Handels

Der OTC-Handel hat eine lange Tradition und eine hohe Bedeutung, er ist insgesamt sehr umfänglich strukturiert. Für einige institutionelle Anleger und für Trader von CFDs und Binären Optionen kann er der einzige Handel überhaupt sein.

Bevor das näher zu erläutern ist, soll einmal auf die Eigenheiten dieses Handels eingegangen werden, die beim klassischen, gelegentlichen OTC-Handel zu beobachten sind, sowie auf die Besonderheiten beim OTC-Handel mit spezialisierten Brokern für CFDs und Binäre Optionen. Der OTC-Handel eines Derivats (Knock-out, klassischer Optionsschein) über einen Online-Broker, der normalerweise auch die börsliche Orderplatzierung ermöglicht, hat den eindeutigen Vorteil der genauen Kursfeststellung. Der Trader fragt über seinen Broker direkt beim Emittenten nach dem Preis und erhält diesen für drei bis vier Sekunden frei bleibend. Innerhalb dieser Zeit kann sich der Trader für den Kauf oder Verkauf entscheiden, danach kann er erneut anfragen. Der Vorteil ist die genaue Preisfeststellung direkt beim Emittenten, der Nachteil besteht darin, dass keine Kauf- oder Verkaufsorder direkt an der Börse platziert wird und bei einem Ausfall des Brokers oder der Internetverbindung die Transaktion nicht durchzuführen ist.

Jede an der Börse platzierte Order gilt als sicher, auch wenn der Broker ausfällt. Einen Vorteil durch wegfallende Ordergebühren gibt es beim OTC-Handel von Derivaten über einen Online-Broker, der ansonsten auch die börsliche Platzierung vornimmt, nicht. OTC kostet bis auf Ausnahmen (Sondervereinbarungen des Brokers mit einem bestimmten Emittenten und nur für bestimmte Wertpapiere) dasselbe oder fast dasselbe wie die börsliche Platzierung, gegebenenfalls fallen einige Cent an Börsenspesen weg. Beim OTC-Handel von CFDs und Binären Optionen hingegen entfallen tatsächlich die Ordergebühren (bis auf ganz wenige Ausnahmen bei einigen Brokern und einigen CFDs), das ist ein wirklich großer Vorteil im OTC-Handel dieser Produkte. Diesem Vorteil steht ein sehr großer Nachteil gegenüber: Den Kurs für das Derivat macht der Broker. Dieser ist in vielen Fällen auch der Market Maker (bei Binären Optionen immer, bei CFDs fast immer), sorgt also für den Ausgleich aller Call- und Put-Positionen und handelt zum Zwecke des Hedgings selbst ein wenig mit, sodass alle Positionen insgesamt auf +/- 0,00 hinauslaufen sollen.

Doch wie verdient dann der Broker bei spreadlosen CFDs und Binären Optionen Geld? Es liegt der Verdacht nahe, dass er das nur durch kleine Kursmanipulationen schafft, wahrscheinlich im geringen Tickbereich (höchstens ein bis zwei Ticks, die sonst der Spread einbringen würde). Wer also mit einer Binären Option glaubt, zwei Ticks im Gewinn gewesen zu sein, daher eigentlich auf seine Option einen Profit von 80 % erwartet, und von seinem Broker eine gegenteilige Mitteilung erhält, der ist dieser kleinen Trickkiste der Broker zum Opfer gefallen. Warum kommunizieren diese Broker nicht ganz offen einen Spread? Beachten Sie auch folgendes Phänomen: Die Börsen in Frankfurt und Stuttgart oder freie Portale wie Ariva stellen keinerlei Kurse für CFDs fest, für die börslich gehandelten Knock-outs und klassischen Optionsscheine hingegen schon. Man überlässt die Spielwiese der CFDs und Binären Optionen ganz den darauf spezialisierten Brokern, und zumindest einige der Binäre Optionen Broker haben manchmal einen Background im Gaming-Bereich und treten auch so auf.

Vor- und Nachteile des OTC-Handels

Unter diesem Blickwinkel hat der OTC-Handel bestimmte Vor- und Nachteile.

Vorteile Nachteile
Manch ein OTC-Handel läuft gebührenfrei Der OTC-Handel lässt sich börslich nicht kontrollieren
Manche Produkte gibt es nur im OTC-Handel Die Kurse müssen nicht stimmen
Der Spread kann sehr gering ausfallen und sogar gänzlich verschwinden, wobei wie erwähnt die Kursfeststellung von Brokern zu beachten ist Es sind keine limitierten Orders möglich
OTC-Handel ist schnell Durch die fehlende Einsicht in das Orderbuch ist der OTC-Handel grundsätzlich intransparent
Manche Produktinnovationen lassen sich nur per OTC-Handel verwirklichen In illiquiden Märkten kann eine nicht sichtbare OTC-Handelsaktivität eines stark kapitalisierten Marktteilnehmers große, unerwartete Kurssprünge verursachen

Historie im OTC-Handel

OTC-Handel gab es schon immer aus verschiedenen Gründen. Zum einen werden nicht alle Papiere börslich gehandelt, zum Anderen verdienen die Broker und sonstigen Beschäftigten an der Börse so gut, dass sie halt lange schlafen und erst um 09.00 h die Pforten öffnen. Dann machen sie auch zeitig Feierabend und gehen sich amüsieren, während Trader und andere anständige Menschen rund um die Uhr beschäftigt sind. Warum man nicht heutzutage auf elektronischem Weg rund um die Uhr die börsliche Orderplatzierung ermöglicht, bleibt eines der großen Rätsel des 21. Jahrhunderts, ungelöst wie das Rätsel der UFOs, das gleichzeitig prekäre Folgen nach sich zieht: Ein Knock-out auf Gold kann beispielsweise über Nacht k.o. gehen, während weder der börsliche Stopp greift noch der Trader OTC eingreifen kann. Dagegen hilft auch kein Hedging, denn der Hedge wird ja ebenfalls nicht eingebucht. Da müsste der Trader schon nachts mit einem japanischen Emittenten OTC handeln, doch weiß jemand, wie das geht? Wie auch immer, OTC-Handel gibt es schon lange, weil beispielsweise Handelspartner die Platzierung großer Orders nicht veröffentlichen wollen – andere Handelsteilnehmer können sie nämlich in den Orderbüchern einsehen. Dazu gibt es sogar Dark Pools. Des Weiteren werden wie erwähnt bestimmte exotische Optionen wie die Binären Optionen ausschließlich OTC gehandelt, drittens gibt es eine Gruppe von Wertpapieren, die überhaupt nicht börslich, sondern nur OTC gehandelt werden können. Das können Zins-Swaps sein, für die es keine standardisierten Börsenprodukte gibt, die aber von großen Investoren zur Absicherung ihrer Devisengeschäfte benötigt werden.

Autor
Thomas Schulz
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