Aktienanalyse: Fundamental- und Chartanalyse als Instrumente

13.01.2019 | Zuletzt aktualisiert am 24.01.2019

Eine der wichtigsten Voraussetzungen, damit Sie möglichst dauerhaft erfolgreich mit Aktien handeln können, sind die verschiedenen Analysemethoden. Mit diesen Werkzeugen soll möglichst sicher vorhergesagt werden, wie sich der Kurs einer Aktie in der Zukunft entwickeln könnte. Am Markt wird schon seit Jahrzehnten zwischen zwei Hauptanalysemethoden unterschieden, nämlich zum einen zwischen der Fundamentalanalyse und zum anderen der Chartanalyse. Wir möchten in diesem Teil unseres Ratgebers näher darauf eingehen, worum es sich bei Fundamental- und Chartanalyse handelt und welche Daten, Zahlen und Fakten im Detail zur Verfügung stellen, um eine Prognose abzugeben, wie sich der Aktienkurs in der Zukunft verhalten könnte.

Fundamentalanalyse: Daten und Zahlen des Unternehmens stehen im Vordergrund

Die Fundamentalanalyse ist insbesondere dann ein geeignetes Analysewerkzeug, falls Sie mittel- und langfristig investieren möchten. Für kurzfristige Spekulationen mit Aktien sollten Sie hingegen eher die Chartanalyse nutzen, da diese im Gegensatz zur Fundamentalanalyse auch kurzfristig orientiert ist und kurzfristige Hinweise über das mögliche Kursverhalten liefert. Bei der Fundamentalanalyse ist es hingegen so, dass vor allem längerfristige Daten, Zahlen und Fakten des Unternehmens eine Rolle spielen, sodass eine Aussage darüber getroffen werden kann, wie sich der Aktienkurs zum Beispiel in den kommenden Jahren verhalten könnte. Die Fundamentalanalyse als solche wird bestimmt durch verschiedene Kennzahlen, die zum Beispiel auf Grundlage der Bilanzzahlen sowie der Gewinn- und Verlustrechnung des betreffenden Unternehmens ermittelt werden können. So sind es beispielsweise die folgenden bekannten Kennzahlen, die im Prinzip zu jeder vernünftigen Fundamentalanalyse gehören:

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
  • Eigenkapitalquote
  • Dividendenrendite

Darüber hinaus gibt es noch einige weitere Kennzahlen, wie zum Beispiel das Kurs-Cashflow-Verhältnis oder das Kurs-Buchwert Verhältnis. Wir möchten uns beispielhaft mit drei der bekanntesten Kennzahlen beschäftigen, also mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis, der Eigenkapitalquote sowie der Dividendenrendite.

Kurs-Gewinn-Verhältnis: bekannteste fundamentale Kennzahl

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist nach wie vor die bekannteste fundamentale Kennzahl und sagt im Ergebnis etwas darüber aus, ob die Aktien mit ihrem aktuellen Kurs eher unter- oder überbewertet wird. Berechnet wird das KGV nach der folgenden Formel:

KGV = Aktueller Aktienkurs / Gewinn pro Aktie

Das Ergebnis wird anschließend mit dem sogenannten Branchen-KGV verglichen, also dem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis, welches die Unternehmen aus der gleichen Branche aufweisen. Auf dieser Grundlage lässt sich ein Schluss in der Richtung ziehen, ob das zu analysieren Unternehmen mit seinem Aktienkurs eher unter- oder überbewertet ist. Liegt das individuelle KGV beispielsweise unterhalb des Branchen-KGV, so ist die Aktie relativ günstig und somit unterbewertet. Dies würde – zumindest theoretisch – bedeuten, dass der Aktienkurs in der näheren Zukunft steigen sollte.

An einem Beispiel möchten wir das KGV einmal mit etwas Leben füllen:

  • Aktueller Aktienkurs: 45 Euro
  • Gewinn je Aktie: 3 Euro
  • Branchen-KGV: 18
  • KGV der Aktien: 15

In diesem Fall hat das analysierte Unternehmen also mit seinen Aktien ein KGV von 15 (45/3). Dieses liegt unter dem Branchen-KGV von 18, sodass die Aktien unterbewertet ist und somit steigende Kurse wahrscheinlicher sind als fallende Aktienkurse – zumindest wenn dies die einzige Analyseform wäre.

Eigenkapitalquote zeigt Stabilität des Unternehmens

Eine ebenfalls wichtige Größe ist die Eigenkapitalquote, die sich ergibt, wenn man das vorhandene Eigenkapital in ein Verhältnis zur Bilanzsumme setzt. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine relativ geringe Eigenkapitalquote einen vergleichsweise hohen Verschuldungsgrad anzeigt. Daher ist die Eigenkapitalquote umso positiver, desto größer der Anteil des Eigenkapitals am Gesamtkapital, also an der Bilanzsumme, ist.

Dividendenrendite für ertrgsorientierte Anleger besonders interessant

Eine fundamentale Kennzahl, die für Anleger besonders interessant ist, ist die Dividendenrendite. Diese sagt nämlich etwas darüber aus, was Sie als Inhaber der Aktie mit der ausgeschütteten Dividende verdienen können. Besonders wichtig ist die Dividendenrendite dann, wenn Sie ein Aktieninvestment bezüglich des erzielbaren Ertrages beispielsweise mit verzinslichen Anlageformen vergleichen möchten. Bei der Dividendenrendite wird die nominale Dividende in ein Verhältnis zum aktuellen Kurs der Aktie gesetzt. Die Formel, die dafür verwendet wird, lautet:

Dividendenrendite = nominale Dividende * 100 / Aktienkurs

Auch hier möchten wir diese Formel anhand eines Praxisbeispiels etwas näher erläutern:

  • Nominale Dividende: 1,20 Euro je Aktie
  • Aktienkurs: 80 Euro
  • Dividendenrendite (1,20 * 100 / 80): 1,5%

Chartanalyse: Technische Analyse für kurz- bis langfristig orientierte Anleger

Die Chartanalyse, ebenfalls als technische Analyse bezeichnet, ist zwar nicht das Gegenteil der Fundamentalanalyse, basiert allerdings auf gänzlich anderen Faktoren. Bei der technischen Analyse spielen Unternehmenskennzahlen keine Rolle, sondern stattdessen basiert diese Form der Analyse insbesondere auf vergangenen Kursbewegungen. Vor diesem Hintergrund wird bereits an der Bezeichnung Chartanalyse deutlich, dass diese Form der Analyse auf den Kurschart von Aktien abgestellt ist. Konkret funktioniert die Chartanalyse so, dass der Analyst sich im ersten Schritt ein Bild darüber macht, wie die Kursverläufe der Aktie in der Vergangenheit waren. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Zeiträume, die man betrachten kam, beginnend von wenigen Stunden bis hin zu mehreren Jahren. Das Ziel der Chartanalyse ist es, anhand vergangenen Kursbewegungen Unregelmäßigkeiten feststellen und so einen Schluss ziehen zu können, wie sich die Aktienkurse vermutlich in bestimmten Situationen zukünftig entwickeln werden.

Eng verbunden mit der Chartanalyse sind die sogenannten Indikatoren. Diese geben nämlich Aufschluss darüber, unter welchen Voraussetzungen und zu welchem Zeitpunkt im Chart ein markanter Punkt erreicht ist, sodass es im Anschluss entweder ein Kauf- oder ein Verkaufssignal gibt. Die Chartanalyse bedient sich daher einer
Reihe technischer Indikatoren, deren Aufgabe darin besteht, markante Punkte beim Kursverlauf herauszuarbeiten und dann ein Signal zu geben, wenn es beim aktuellen Kursverlauf zu einer ähnlichen Situation kommt. Zu den klassischen technischen Indikatoren, die in aller Regel preisbasiert sind, gehören insbesondere:

  • Gleitender Durchschnitt
  • Momentum
  • Relative-Strenght-Index (RSI)

Die einzelnen Indikatoren zu erläutern, würde allerdings insbesondere für Anfänger sicherlich zu weit führen. Teilweise sind größere finanzmathematische Kenntnisse erforderlich, wenn man tatsächlich verstehen möchte, wie der einzelne Indikator funktioniert. Dieses Wissen ist allerdings für Anleger, die mit Aktien handeln möchten, auch nicht unbedingt erforderlich. Bei der Chartanalyse ist es nämlich so, dass die Indikatoren in den meisten Programmen eingearbeitet sind und so automatisch Handelssignale liefern. Inzwischen ist bei vielen Banken und Brokern über das entsprechende Handelssystem sogar der automatische Handel möglich, sodass der Anleger nicht einmal selbst darauf reagieren muss, wenn Kauf- oder Verkaufsignale gegeben werden. Stattdessen führt dies das automatische Handelssystem durch.

Während die Chartanalyse insbesondere für kurzfristig investierte Anleger bzw. Spekulanten von Bedeutung ist, ist sie für Kunden, die beispielsweise über einen Zeitraum von 5, 10 oder noch mehr Jahren in Aktien investieren möchten, weniger von Interesse. Stattdessen spielt in diesem Fall die Fundamentalanalyse als Grundlage zur Auswahl der passenden Aktie eine wesentlich größere Rolle. Ob man sich also für die Chartanalyse oder die Fundamentalanalyse entscheidet, hängt vor allem davon ab, welches Anlageziel man mit dem Investment in Aktien verfolgt und wie groß der Anlagehorizont ist. Insbesondere bei mittelfristigen Investments ist es zudem sinnvoll, die Ergebnisse beider Analysen zu kombinieren, also sich sowohl mit der Chartanalyse als auch mit der Fundamentalanalyse zu beschäftigen.

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