Außerbörslicher Direkthandel (OTC)

24.01.2019 | Update: 07.11.2019
Over The Counter (kurz OTC) bezeichnet den außerbörslichen Handel, auch Direkthandel genannt. Hier finden Sie alle wichtigen Infos zu den Vorteilen und Risiken des OTC Handels.

Was bedeutet OTC Handel?

OTC ist der Handel “Over The Counter” (“über den Tresen”). Der Begriff hat sich für den außerbörslichen Handel durchgesetzt und beschreibt den direkten Handel zwischen Verkäufen und Käufer auf den Kapitalmärkten. Anders als der Handel an der Börse unterliegt der OTC Handel keiner Börsenaufsicht und wird nicht staatlich überwacht. Die gesetzlichen Bestimmungen für den Wertpapierhandel sind jedoch auch für den außerbörslichen Handel geltend.

Eigenschaften des OTC Handels

Aufgrund der fehlenden staatlichen Börsenaufsicht sind „over the counter“ mehr Finanzprodukte handelbar als an der Börse, nämlich auch solche Wertpapiere, die nicht standardisiert und deshalb nicht börslich zugelassen sind. Hierzu zählen beispielsweise Optionsscheine – also klassische Hebelprodukte. Außerbörslich können aber auch Produkte gehandelt werden, die an der Börse verfügbar sind.

Da die Börse als Vermittlung zwischen Broker und Verkäufer beim OTC Handel nicht vonnöten ist, fallen geringere Kosten an. Lediglich der Online-Broker verlangt in der Regel Gebühren. Außerdem fällt der Handelszeitraum für täglichen Handel umfangreicher aus: Außerbörslich kann in der Regel von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr gehandelt werden, während die Börse die Türen oft erst um 9:00 öffnen und der Handel an Börsentagen hier nur bis 17:30 Uhr möglich ist.

Neben den Vorteilen, die durch die fehlende Börsenaufsicht entstehen, bringt dieser Faktor auch Nachteile mit sich. So steigt nämlich beim außerbörslichen Handel das Risiko und es bestehen keine Vergleichsmöglichkeiten der Preise wie an der Börse. Im Folgenden sollen die Vor- und Nachteile des OTC Handels genauer beleuchtet werden.

Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Nicht selten läuft ein OTC-Handel gebührenfrei ab Der OTC-Handel lässt sich börslich nicht kontrollieren
Manche Produkte gibt es nur im OTC-Handel Die Kurse müssen nicht stimmen
Der Spread kann sehr gering ausfallen und sogar gänzlich verschwinden, wobei die Kursfeststellung von Brokern zu beachten ist Es sind keine limitierten Orders möglich
OTC-Handel ist schnell Durch die fehlende Einsicht in das Orderbuch ist der OTC-Handel grundsätzlich intransparent
Manche Produktinnovationen lassen sich nur per OTC-Handel verwirklichen In illiquiden Märkten kann eine nicht sichtbare OTC-Handelsaktivität eines stark kapitalisierten Marktteilnehmers große, unerwartete Kurssprünge verursachen

Neben den niedrigeren Kosten aufgrund des Wegfalls der Börse als Vermittler profitieren Händler beim OTC Handel auch von weiteren Vorteilen. So kann beispielsweise schneller auf sinkende oder steigende Kurse reagiert werden, da sich der Direkthandel zeitsparend abwickeln lässt und nur wenige Sekunden bis Minuten dauert.

Die zahlreichen Vorteile des Direkthandels sind jedoch nicht ohne Vorsicht zu genießen: Der Kunde verfügt beim OTC Handel über eine geringere Aufsicht beziehungsweise Kontrolle über die Kosten. Das kommt auch daher, dass der Vergleich mit den Referenzmärkten nicht gegeben ist, den der Börsenhandel ermöglicht. Auch das Risiko eines Verlustes ist höher, da keine strengen Aufsichten wie an der Börse bestehen. Deshalb gilt ganz generell: Handeln Sie nur mit Finanzprodukten, mit denen Sie sich auskennen! Finanzprodukte, die sowohl OTC als auch an der Börse gehandelt werden, können im Direkthandel meist günstiger erworben und trotzdem mit den aktuellen Kursen an der Börse verglichen werden.

Ordergebühren beim OTC Handel

Einen Vorteil durch wegfallende Ordergebühren gibt es beim OTC-Handel von Derivaten über einen Online-Broker, der ansonsten auch die börsliche Platzierung vornimmt, nicht. Beim Handeln OTC fallen bis auf Ausnahmen (Sondervereinbarungen des Brokers mit einem bestimmten Emittenten und nur für bestimmte Wertpapiere) ähnliche Kosten an wie für die börsliche Platzierung, Allerdings sparen Händler die sonst anfallenden Börsenspesen.

Beim OTC-Handel von CFDs und Binären Optionen hingegen entfallen auch die Ordergebühren (bis auf ganz wenige Ausnahmen bei einigen Brokern und einigen CFDs), was einen wirklich großen Vorteil des OTC-Handels ausmacht. Diesem Vorteil steht jedoch auch ein Nachteil gegenüber: Den Kurs für das Derivat legt der Broker fest. Dieser ist in vielen Fällen auch der Market Maker (bei Binären Optionen immer, bei CFDs fast immer), sorgt also für den Ausgleich aller Call- und Put-Positionen und handelt zum Zweck des Hedgings selbst ein wenig mit, sodass alle Positionen insgesamt auf +/- 0,00 hinauslaufen sollen.

So läuft ein Direkthandel ab

Wer als Privatanleger OTC handeln möchte, kann dies über einen Online-Broker tun, der als Schnittstelle zwischen Käufer und Verkäufer oder auch Emittent fungiert. Der Handel beginnt mit dem Interesse einer Käufers an einem bestimmten Finanzprodukt. Er stellt folglich eine Kursanfrage bei seinem Online-Broker. Dessen Aufgabe liegt dann darin, einen unverbindlichen Preis in Erfahrung zu bringen, der für das Finanzprodukt von einem anderen Marktteilnehmer verlangt wird. Bei diesem Marktteilnehmer kann es sich um einen Emittenten, einen gewöhnlichen Händler oder einen Privatanleger handeln.

Ist der Interessent mit dem Kurs zufrieden und möchte das Finanzprodukt zu den angeforderten Konditionen erwerben, erfährt der Verkäufer hiervon und kann sich für oder gegen den Verkauf entscheiden. Letzteres kann dann für ihn von Vorteil sein, wenn sich in der Zwischenzeit ein Kursanstieg entwickelt hat, was auf den schnelllebigen Finanzmärkten durchaus schnell passieren kann. Wenn der Verkäufer den Kauf jedoch akzeptiert, kann die Order ausgeführt werden.

Voraussetzung für den OTC Handel ist sowohl der Besitz eines Depotkontos, von dem aus mit Wertpapieren gehandelt werden kann, als auch ein Online-Broker, der diese Handelsart unterstützt. Wichtig ist es darüber hinaus festzustellen, ob der gewählte Online-Broker auch den Direkthandel mit anderen Marktteilnehmern unterstützt. Es gibt auch solche Broker, die zwar den außerbörslichen Handel, aber nicht den direkten Handel mit anderen Marktteilnehmern ermöglicht.

Fazit

Ob Privatanleger vorzugsweise an der Börse oder außerbörslich handeln, ist von den persönlichen Präferenzen abhängig. Erfahrene Trader, die häufig Kauf- und Verkaufsaufträge erstellen, profitieren durchaus von der kostengünstigeren Handelsweise über den Tresen. Es bestehen beim OTC Handel allerdings keine Vergleichsmöglichkeiten bei Produkten, die nur außerbörslich gehandelt werden. Laien sollten dann besonders vorsichtig vorgehen und keinen unüberlegten Handel mit ihnen unbekannten Finanzprodukten betreiben. Grundsätzlich gilt für den Handel mit Wertpapieren, sich im Vorhinein gut über alle Grundlagen der Geldanlage und des Handelns zu informieren und nicht mit Papieren zu handeln, mit denen man nicht vertraut ist.

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