Hebelprodukte – alle Chancen und Risiken

17.01.2019 | Update: 23.11.2019

Für manche Investoren sind sie eine interessante Beimischung im Portfolio, andere Anleger erachten sie schlicht als zu riskant: Die Meinungen über Hebelprodukte gehen sehr auseinander. Angesichts der Verteilung von Chancen und Risiken ist das verständlich, denn wie jedes andere Investment eignen sich auch Hebelprodukte nicht für jeden Privatanleger.

Wer weiß, wie sie funktionieren und wer die Gewinn- und Verlustchancen fundiert beurteilen kann, dürfte in Hebelprodukten durchaus eine renditestarke Geldanlage sehen. Was also muss man zu diesem Investment wissen?

Was sind Hebelprodukte?

Unter dem Begriff „Hebelprodukte“ werden mehrere Arten von Finanzderivaten zusammengefasst. Dazu gehören unter anderem Optionsscheine, Knockout-Zertifikate und Mini-Futures. Man versteht darunter Wertpapiere, die von einem bestimmten Basiswert abgeleitet sind, die aber nicht direkt in diesen Basiswert investieren. Das Derivat reagiert überproportional stark auf Kursänderungen des Basiswerts, die Reaktion erfolgt in beide Richtungen.

Bei dem Basiswert handelt es sich zum Beispiel um Aktien, um Devisen und Rohstoffe oder um Indizes. Bei der Ausgabe des Derivats werden der Preis, das Bezugsverhältnis zum jeweiligen Basiswert und der Hebel festgelegt. Der Hebel kann veränderlich sein. Juristisch betrachtet handelt es sich bei Hebelprodukten um Schuldverschreibungen, die ein Kreditinstitut herausgibt. Zu unterscheiden sind diese abgeleiteten Finanzprodukte von anderen Investments, die ebenfalls mit einem Hebel arbeiten, die aber anders funktionieren. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten Differenzkontrakte, kurz als CFDs oder Contracts for Differences bezeichnet.

Der ‚Hebel‘ und seine Funktion

Um den Hebel bei einer Geldanlage zu verstehen, lohnt sich ein Vergleich mit der Physik. Durch den Hebel ist der Trader in der Lage, sehr viel mehr Kapital am Markt zu bewegen, als er eigentlich investiert. Dieser Hebel verstärkt die Kursveränderung des Basiswerts. Wenn sich also der Kurs des Basiswerts um ein Prozent erhöht, steigt der Kurs des Derivats durch den Hebeleffekt um ein Vielfaches.

Allerdings ist nicht nur eine positive Hebelwirkung bei einem Kursanstieg möglich. Der Kurs des Basiswerts kann sich auch in die entgegengesetzte Richtung entwickeln, er kann fallen. Der Anleger würde dann viel mehr Geld verlieren, als er ursprünglich investiert hat. Anschaffungspreis und Hebel verhalten sich umgekehrt proportional zueinander. Das heißt, dass der Hebel mit steigendem Anschaffungspreis fällt. Somit ist ein hoher Hebel gleichbedeutend mit einem niedrigen Preis für das Investment und mit einem entsprechend hohen Verlustrisiko. Der Hebel ist veränderlich, er kann unter Umständen 100 Prozent oder sogar noch mehr betragen.

Um den Hebeleffekt in vollem Umfang zu verstehen, muss man sich folgenden Zusammenhang vergegenwärtigen: Wurde der Hebel mit 100 festgelegt, erhält der Anleger bei einem Verkauf seines Finanzderivates oder bei Fälligkeit das Doppelte seiner Einlage ausgezahlt. Entwickelt sich der Kurs allerdings negativ, ist das gesamte eingesetzte Kapital verloren. Vereinfacht gesagt kann man den Hebel auch als Rendite bezeichnen. Eine Rendite von 100 Prozent klingt sicher attraktiv, ist aber immer mit einem entsprechenden Verlustrisiko verbunden.

Deshalb werden Hebelprodukte als riskante Investments eingestuft

Das große Risiko von Hebelprodukte liegt darin, dass die Hebelwirkung nicht zwingend positiv ausfallen muss – sie kann auch negativ sein. Je höher der Hebel angesetzt ist, desto stärker wirkt sich eine Veränderung des Kurses aus. Ein Hebel von 10 bedeutet, dass sich der Kurs des Derivates bei einer Kursreduzierung des Basiswerts um ein Prozent um zehn Prozent verringert. Sinkt der Kurs des Basiswerts um fünf Prozent, fällt der Kurs des Derivates sogar um 50 Prozent.

Ein Kursgewinn des Basiswerts würde sich im gleichen Verhältnis nach oben auswirken. Das heißt, dass sich die Veränderung des Derivates aus der Kursveränderung des Basiswerts multipliziert mit dem Hebel ergibt. Der Hebel führt also zu einer Verstärkung der Kursänderung, und diese Verstärkung kann zu einem enormen Gewinn, aber auch zu einem hohen Verlust bis hin zum Totalverlust führen. Aufgrund der hohen Verlustrisiken bezeichnet man Hebelprodukte als risikoreiche Investition.

Hebelprodukte und Aktien im Vergleich

Ein Hebelprodukt bietet die Chance, mit einem verhältnismäßig geringen Einsatz an Kapital eine attraktive Rendite zu erwirtschaften. Bei Aktien lohnt es sich hingegen eher, eine größere Summe zu investieren. Somit unterscheiden sich die beiden Anlageprodukte schon bei der Höhe des eingezahlten Kapitals grundlegend.

Bei einem Hebelprodukt greift eine Nachschusspflicht. Dabei handelt es sich um eine Verpflichtung zur Nachzahlung, wenn das angelegte Geld durch eine starke Kursreduzierung des Basiswerts und durch einen entsprechend hohen Hebel in voller Höhe verloren ist. Von einem sinkenden Aktienkurs ist der Aktionär nicht so stark betroffen. In der Regel kann er mittelfristig wieder mit einem Anstieg des Kurses rechnen und die Aktie so lange halten, bis der Kurs wieder steigt. Allerdings ist die Rendite von Aktien meist deutlich geringer als die Gewinne von Hebelprodukten.

Wer in ein Hebelprodukt investieren will, sollte den Markt genau und über einen längeren Zeitraum beobachten. Bei einem Investment in Aktien ist das nicht in diesem Umfang erforderlich. Ist die Aktie erst einmal ausgesucht, kann man sie halten, ohne Tag für Tag auf die Entwicklung des Kurses achten zu müssen.

Auch bezüglich des Anlagezeitraums unterscheiden sich Aktien von Hebelprodukten. Während man Aktien durchaus mittel- bis langfristig halten kann, bieten sich Hebelprodukte eher für kurzfristige Investments an.

Fazit: Hohe Chancen oder großes Risiko?

Hebelprodukte können im privaten Portfolio durchaus für Diversifikation sorgen, sofern sich der Anleger der Risiken dieses Investments bewusst ist und wenn er den Markt einschätzen kann. Wichtig ist, dass auch Kleinanleger die Geldanlage durch und durch verstehen, bevor sie sich entscheiden, in Hebelprodukte zu investieren.

Außerdem sollten gerade private Anleger keine größeren Summen in diese Anlageklasse halten, sondern nur eine überschaubare Summe anlegen, die man im schlimmsten Fall problemlos verschmerzen kann. Wer hingegen eine bequeme und gut kalkulierbare Anlage sucht, um die man sich nicht kümmern muss, ist mit anderen Finanzanlageprodukten besser beraten. Für diese Anleger stehen Kosten und Nutzen von Hebelprodukten in der Regel in keinem Verhältnis, und das Risiko übersteigt die Chancen meist erheblich.

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