Kursgewinne und Dividenden als mögliche Erträge

13.01.2019 | Zuletzt aktualisiert am 24.01.2019

Im letzten Teil unseres großen Ratgeber zum Thema Börse möchten wir uns gerne damit beschäftigen, warum Anleger eigentlich überhaupt in Aktien investieren. Wenn man einmal davon absieht, dass nur ein sehr geringer Teil aller Aktionäre die Teilnahme an der Hauptversammlung und das Ausüben des Stimmrechtes als vorrangige Motivation sieht, um in Aktien zu investieren, ist es natürlich in erster Linie das Erzielen von Gewinnen, welches der wichtigste Grund für ein Aktien-Investment ist. Es sind bei Aktien zwei mögliche Ertragsformen, die zu Gewinnen führen können, nämlich zum einen Kursgewinne und zum anderen Dividenden. Wir möchten diese zwei Ertragsvarianten im Folgenden gerne näher beschreiben und darauf eingehen, worauf Sie jeweils achten müssen, damit Sie eine möglichst gute Rendite erzielen.

Kursgewinne sind bei allen Aktien grundsätzlich möglich

In einer Umfrage zeigte sich vor kurzer Zeit, dass über 70 Prozent aller Aktionäre deshalb Aktien im Depot halten, um von Kursgewinnen zu profitieren. Nur etwa 30 Prozent gaben hingegen an, dass sie vor allem aufgrund kontinuierlicher Erträge in Aktienwerte anlegen, die aufgrund der ausgezahlten Dividende zustande kommen. Selbstverständlich spielt in dem Zusammenhang auch eine Rolle, über welchen Zeitraum hinweg man in Aktien investieren möchte. Wer beispielsweise nur kurzfristig spekulieren will, den interessieren Dividendenerträge natürlich überhaupt nicht, sondern stattdessen sind nur mögliche Kursgewinne von Bedeutung.

Die Chance auf Kursgewinne besteht prinzipiell bei jeder Aktie, aber auf der anderen Seite müssen Sie auch wissen, dass es natürlich ebenso bei jeder Aktie zu Kursverlusten kommen kann. Selbst Insolvenzen und somit der Totalausfall des investierten Kapitals sind nicht ausgeschlossen, insbesondere bei den sogenannten Nebenwerten. Praktisch sind Kursgewinne auch nicht wirklich begrenzt, sodass sich das Kapital bei einer günstigen Entwicklung innerhalb weniger Jahre durchaus vervielfachen lässt. Man sollte allerdings nicht davon ausgehen, mit einem Investment in Aktien schnell reich werden zu können.

Auf viele Jahre gerechnet liegt die durchschnittliche Rendite bei Aktien, die sich ausschließlich auf Kursgewinnen bezieht, zwischen 8-9 Prozent pro Jahr. Insbesondere im Vergleich zu festverzinslichen Anlageformen ist dies sicherlich eine sehr gute Rendite, aber diese Zahl zeigt eben auch, dass man – im Durchschnitt betrachtet – mit einem Aktien-Investment keineswegs schnell zum reichen Mann wird. Dennoch lässt sich geschickt investiertes Kapital mit einem Aktien-Investment natürlich innerhalb von rund 20 Jahren im Normalfall mehr als verdoppeln.

Kursgewinne: Chancen und Risiken hängen auch vom Anlagehorizont ab

Wie hoch die Chance auf Kursgewinne und gleichzeitig die Gefahr von Verlusten ist, hängt unter anderem vom Anlagehorizont ab. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass es bei einem Investment in deutsche, europäische oder auch amerikanische Standardwerte fast nie zu einem Verlust gekommen ist, wenn man sich einen beliebigen Anlagezeitraum von mindestens zehn Jahren betrachtet. Selbstverständlich kann es innerhalb dieser Zeitspanne von zehn Jahren vorkommen und ist in der Praxis auch schon mehrfach passiert, dass es einige Jahre Verluste gehabt. Wenn Sie dann allerdings die Aktien nicht in Panik verkauft, sondern weiter gehalten haben, sind Sie fast in jedem beliebigen Zeitraum wieder in die Gewinnzone gekommen. Bei langfristig orientierten Anlegern ist es also wichtig, vorübergehende Kursverluste möglichst auszusitzen, um in der Summe Kursgewinne realisieren zu können. Dies gilt natürlich nicht grundsätzlich für jede Situation, denn natürlich kann es in manchen Fällen auch sinnvoll sein, Verluste zu realisieren, bevor diese noch größer werden.

Standardwerte oder Nebenwerte wählen?

Wer insbesondere aufgrund möglicher Kursgewinne in Aktien investiert, der stellt sich häufig die Frage, ob er sich für sogenannte Standardwerte oder für Nebenwerte entscheiden soll. Diesbezüglich muss differenziert werden, denn – immer im Durchschnitt betrachtet – Standardwerte zeichnen sich zwar einerseits oftmals durch etwas geringere Kursgewinne als Nebenwerte aus. Dafür beinhaltet das Investment in Standardaktien jedoch einen im Vergleich zur Anlage in Nebenwerte geringeres Risiko.

An dieser Stelle müssen Sie sich also ebenfalls entscheiden, wie Ihre Einstellung zu Risiko und Chance ist. Möchten Sie bei Aktien die Gelegenheit wahrnehmen, eine überdurchschnittliche Rendite (im Vergleich zum Marktdurchschnitt) zu erzielen, dann sind sicherlich Nebenwerte die bessere Wahl. Möchten Sie hingegen solide investieren, mit einer möglichst großen Sicherheit, und dabei dennoch durchschnittliche Kursgewinne vereinnahmen, sind vermutlich Standardwerte besser geeignet. Eine pauschale Aussage gibt es allerdings nicht, sodass es wichtig ist, dass Sie sich individuell beraten lassen, welche Form von Aktie für Ihre Ziele die beste Wahl ist.

Clever investieren mit dividendenstarken Aktien

Wie bereits angesprochen, sind Kursgewinne nicht die einzige Ertragsform und der einzige Grund, warum Anleger in Aktien investieren. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Anleger, die sich für sogenannte dividendenstarke Aktientitel entscheiden. In diesem Fall steht der möglichst kontinuierliche Ertrag im Vordergrund, der in Form der Dividendenausschüttung im Idealfall jedes Jahr erneut stattfindet. Meistens sind es langfristig orientierte Anleger, bei denen die Dividende als Ertrag im Vordergrund steht. Es gibt mittlerweile sogar komplette Strategien, die vornehmlich auf dividendenstarke Aktien ausgerichtet sind.

Als dividendenstark werden übrigens solche Aktien bezeichnet, bei denen die Dividendenrendite überdurchschnittlich hoch ist. Nicht verwechseln dürfen Sie die Dividendenrendite allerdings mit der nominalen Dividende, denn diese alleine sagt noch nichts darüber aus, ob der Ertrag in Form der Dividende gut, mittelmäßig oder schlecht ist. Bei der Dividendenrendite setzen Sie stattdessen die nominal gezahlte Dividende in ein Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs und könnte so etwas darüber aussagen, wie hoch die tatsächliche Rendite der Dividende ist. Wenn Sie sich beispielsweise die im DAX-Index enthaltenen Aktien anschauen, so sind es die folgenden Aktienwerte, die (Stand Ende 2016) die höchsten Dividendenrenditen verbriefen.

  • Allianz
  • Münchener Rück
  • Daimler
  • Lufthansa
  • BMW

Aufgrund von Kursänderungen kann sich die Dividendenrendite natürlich jederzeit ändern, sodass Sie mindestens einmal im Jahr prüfen sollten, ob Sie tatsächlich noch die dividendenstärksten Aktien im Depot haben. Darüber hinaus gibt es einen Fallstrick: Ist der Kurs einer Aktie beispielsweise seit der letzten Dividendenzahlung massiv gefallen, so wird für dieses Wertpapier dennoch eine extrem hohe Dividendenrendite angegeben. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass die Aktiengesellschaft nahe an der Insolvenz ist und im kommenden Geschäftsjahr gar keine Dividende mehr zahlen kann.

Daher sollten Sie bei der Auswahl dividendenstarker Aktien eben nicht nur auf die Höhe der Dividendenrendite achten, sondern sich auch näher mit dem Unternehmen und dessen Stabilität bzw. Zukunftsaussichten am Markt beschäftigen. Meistens empfehlen die Experten beim Verfolgen einer Dividendenstrategie größere Aktien, also die sogenannten Standardwerte, weil die gezahlte Dividende einfach regelmäßiger auf einem guten Niveau ist, als es bei kleineren Nebenwerten der Fall ist, die vielleicht gar nicht wissen, ob sie im kommenden Jahr überhaupt noch eine Dividende zahlen können.

Abschluss Ratgeber Börse

Im großen Ratgeber Börse haben wir Sie in neun Teilen möglichst umfassend zum Thema Aktien und Börse informiert. Der Ratgeber kann sicherlich eine gute Hilfe für Einsteiger sein, dennoch sollten Sie natürlich auch noch andere Informationsquellen suchen und sich gegebenenfalls kompetent beraten lassen, wenn Sie zukünftig mit einem Investment in Aktien oder andere Wertpapiere gute Erträge erzielen wollen.

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