Zertifikate handeln – Alle Infos zum Wertpapier

17.01.2019 | Update: 14.11.2019

Zertifikate zählen unter den Wertpapieren zu den Derivaten. Sie fallen damit unter die Kategorie der Hebelprodukte und bringen damit gleichzeitig hohe Renditechancen und ein hohes Risiko mit sich. Um Zertifikate handeln zu können, sollten Anleger sich sehr gut mit dem Finanzprodukt auskennen. Anfängern an der Börse wird der Handel mit Zertifikaten und anderen riskanten Hebelprodukten nicht empfohlen. Im folgenden Artikel lesen Sie alles, was Sie über die Eigenschaften von Zertifikaten und den Handel mit Hebelprodukt wissen müssen.

Was sind Zertifikate?

Juristisch betrachtet sind Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen. Der Emittent – also der Herausgeber eines Zertifikats – ist gegenüber dem Käufer zu einer finanziellen Leistung verpflichtet, die bis zu einem zuvor bestimmten Zeitpunkt ausgezahlt werden muss. Zertifikate gibt es jedoch mit den verschiedensten Bedingungen und Eigenschaften, mache sind dabei komplizierter, andere weniger kompliziert gestrickt. Genauso verhält es sich mit der Höhe des Risikos.

Zertifikate sind, genauso wie andere Derivate – Wertpapiere, die sich auf einen Basiswert beziehen und von diesem abgeleitet werden. Der Basiswert kann ein Index (beispielsweise der DAX), eine Aktie oder eine Anleihe sein. Mit einem Zertifikat spekuliert der Anleger auf die Entwicklung, die dieser Wert in der Zukunft vornehmen wird, er investiert also nicht direkt in einen Wert. Der Anleger nimmt an der Wertentwicklung des Basiswerts teil, ohne aber direkt in ihn zu investieren.

Je nach Gebührenstruktur, Bedingungen und Eigenschaften sind manche Zertifikate nur für Profis geeignet, andere können auch schon für erfahrene Anleger interessant sein, die sich erstmals an Hebelprodukte heranwagen. Beispielsweise ein DAX-Indexzertifikat ist vergleichsweise einfach nachzuvollziehen: Dabei ist die Wertentwicklung des Zertifikats nämlich genau an die des DAX geknüpft.

Zertifikate: Ein komplexes Produkt einfach erklärt

Vereinfacht gesagt schließt der Anleger beim Kauf eines Zertifikats eine Wette darauf ab, dass eine bestimmte Kursentwicklung des gekauften Papiers eintritt. Angenommen, der Anleger gibt einer Bank einen bestimmten Betrag als Wetteinsatz. Er kann darauf wetten, dass der Goldpreis weiter steigt. Ist das der Fall, erhält der Anleger sein investiertes Kapital am Ende der festgelegten Laufzeit zurück.

Hinzu kommt außerdem ein vorher vereinbarter Zins. Hat der Anleger aber Pech und der Goldpreis entwickelt sich nicht wie angenommen, ist die Zinszahlung deutlich geringer, häufig werden auch gar keine Zinsen gezahlt. Der Anleger erhält dann nur sein investiertes Kapital ganz oder teilweise zurück.

Der Investor kann sich zudem entscheiden, ob er „Long“ oder „short geht“, sprich ob er auf den Anstieg oder den Fall des Basiswertes wettet. Demzufolge kann man auch Gewinn machen, wenn beispielsweise der Kurs einer Aktie sinkt – angenommen, man hat das entsprechende Zertifikat gekauft.

Viele Produkte, ähnliches Konzept

Zertifikate gibt es in unterschiedlicher Form. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Risiken, die der Anleger eingeht, des Aufbaus und vielem mehr. Auch der Basiswert, in den der Investor sein Geld einbringt, kann sehr unterschiedlich aussehen. Typische Basiswerte sind Rohstoffe wie Gold, Silber oder Öl. Doch auch einzelne Aktien oder Aktienindizes wie der DAX sind klassische Basiswerte. Selbst Währungen und Fonds sind solche Basiswerte. Doch nicht nur der Basiswert ist je nach Zertifikat unterschiedlich. Auch die Funktionsweise des Zertifikats selbst kann variieren. Sie ist ausschlaggebend für die Chancen und Risiken, die sich aus dem Derivat ergeben.

Indexzertifikate orientieren sich an einem vorgegebenen Index. Der Basiswert ist beispielsweise der deutsche Aktienindex DAX, der amerikanische Dow Jones oder der Rentenindex. Zu unterscheiden sind dabei Preisindizes, die sich an der Kursentwicklung eines Papiers ohne Dividende orientieren und Performance-Indizes, bei denen die Dividende in die Entwicklung eingerechnet wird.

Bei Basketzertifikaten handelt es sich im Grunde um einen Korb aus mehreren Aktien oder Indizes. Diese werden in einem Basket zusammengefasst. Die Gewichtung der einzelnen Werte in diesem Korb kann sich im Lauf der Zeit ändern, der Emittent ist berechtigt, solche Änderungen der Gewichtung vorzunehmen. Einzelwertzertifikate orientieren sich an einem einzigen Wert als Basiswert.

Mit diesen Kosten müssen Anleger rechnen

Bei Zertifikaten fallen zunächst Ausgabeaufschläge an. Der Ausgabeaufschlag wird an die Bank gezahlt, die ihren Kunden ein Zertifikat aktiv anbietet. Die Bank darf den Aufschlag behalten, der Verkauf von Zertifikaten ist für sie also ein attraktives Geschäft. Als Anleger ist es wichtig, auf die Höhe der Depotkosten zu achten und diese vor der Entscheidung für den passenden Broker zu vergleichen.

Der Ausgabeaufschlag entfällt, wenn der Kauf direkt über die Börse durchgeführt wird. Man spricht dann vom Kauf am Zweitmarkt. Neben dem Ausgabeaufschlag muss der Anleger mit Vertriebsprovisionen rechnen, die an die Bank gezahlt werden, sofern sie den Vertrieb über ihre Bankberater durchführt. Werden Zertifikate an der Börse gehandelt, fallen auch dafür Gebühren an. Die Bank berechnet dem Anleger eine Gebühr in der Höhe, die von der jeweiligen Börse vorgeben wird. Die Auslagen bestehen meist aus einer Grundgebühr und aus einem variablen Teil, der an der Höhe des angelegten Geldes orientiert ist.

Neben den einmaligen Kosten fallen laufende Verwaltungsgebühren an. Diese werden vor allem bei Zertifikaten mit einer unbegrenzten Laufzeit fällig. Selbst erfolgsabhängige Gebühren sind möglich, wenn der Basiswert des Zertifikats ein Hedgefonds ist. Alle Kosten mindern die Rendite für den Anleger, deshalb sind die einzelnen Positionen genau zu prüfen, bevor man sich für den Kauf eines Zertifikats entscheidet.

Diese Risiken können entstehen

Das größte Risiko eines Zertifikats besteht im Emittentenrisiko. Der Emittent ist der Herausgeber des Zertifikats, also in den meisten Fällen eine Bank. Die Bank erhält das investierte Geld und muss es nach der Laufzeit zurückzahlen. Bei Zertifikaten mit langer Laufzeit steigt das Risiko, dass der Emittent in der Zwischenzeit zahlungsunfähig wird, an. Der Anleger verliert dann im schlimmsten Fall sein angelegtes Geld, alternativ muss er ein langes Insolvenzverfahren durchstehen, um am Ende einen Teil seines Kapitals ausgezahlt zu bekommen.

Anders als mit einem Investmentfonds, bei dem das Vermögen zum Sondervermögen der auflegenden Kapitalgesellschaft zählt, verliert ein Anleger in den meisten Fällen den investierten Betrag, wenn der Emittent eines Zertifikats insolvent wird. Das erklärt das erhöhte Risiko eines Totalverlusts beim Kauf von Zertifikaten.

Neben dem Emittentenrisiko ist auch das Kursänderungsrisiko nicht zu vernachlässigen, denn der Basiswert, der dem Zertifikat zugrunde liegt, kann stark schwanken. Und schließlich kann der Anleger innerhalb des vereinbarten Zeitraums nicht auf sein Kapital zugreifen, er trägt also das Liquiditätsrisiko.

Da Zertifikate mit einem Hebel ausgestattet sind, ist das Risiko neben den Gewinnchancen ebenfalls sehr hoch. Denn der Hebel kann in beide Richtungen ausschlagen: Er kann bei einer geringen Investition zu hohen Gewinnen führen und gleichzeitig große Verluste erzeugen. Deshalb sollten nur erfahrene Anleger sich an diese Finanzprodukte heranwagen.

Fazit: Hände weg von Zertifikaten?

Genau wie bei allen Wertpapieren und Finanzprodukten, die an der Börse und OTC gehandelt werden können, gibt es keine pauschale Aussage darüber, ob Zertifikate eine geeignete Investition sind oder nicht. Denn das ist immer abhängig vom Anleger. Generell wird Einsteigern in den Wertpapierhandel eher davon abgeraten, mit Hebelprodukten zu operieren, da man sich sehr gut mit dem Markt und den jeweiligen Produkten auskennen muss, um die Risiken im Vorhinein nachvollziehen zu können.

Hebelprodukte werden auf der anderen Seite stets mit einer hohen Rendite angeworben. Der erfahrene Anleger weiß jedoch, dass mit besonders hohen Renditechancen auch ein hohes Risiko einhergeht. Einsteigern und Anlegern, die langzeitig investieren wollen, ist es eher zu empfehlen, mit ETFs oder Investmentfonds in den Wertpapierhandel einzusteigen. Hier ist das Gleichgewicht zwischen Risiko und Rendite größer und die Verwaltung ist längt nicht so zeitintensiv.

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