Wachsende Zinsschere zwischen den USA und Europa

Angesichts positiver US-Arbeitsmarktzahlen, an welche die US-Zentralbank ihre Zinsentscheidungen koppelt, steht Mitte März 2017 eine Leitzinserhöhung durch die Fed an. Es könnte nicht die letzte im laufenden Jahr sein.
Wachsende Zinsschere zwischen den USA und Europa
Wachsende Zinsschere zwischen den USA und Europa

Wachsende Zinsschere zwischen den USA und EuropaWachsende Zinsschere zwischen den USA und Europa © William Potter / iStock
© William Potter / iStock

In Europa macht sich derweil EZB-Chef Mario Draghi weiterhin für niedrigste Zinsen stark, sogar ein Negativ-Leitzins der Europäischen Zentralbank ist im Gespräch. Die Zinsschere zwischen den USA und Europa klafft immer weiter auseinander.

Wachsende US-Ökonomie

Die US-Wirtschaft wächst, die Auswirkungen auf den US-Arbeitsmarkt sind sehr positiv. An dessen Zahlen vor allem knüpft die Fed schon seit Jahren ihre Leitzinsentscheidungen. Die jüngste sehr starke Entwicklung war so von vielen Analysten nicht vorhergesehen worden. Eine weitere Zinserhöhung der Fed am 15. März 2017 scheint daher unausweichlich. Sie steht schon seit 2015 auf der Agenda der US-Währungshüter unter Janet Yellen, war aber bis auf den Zinsschritt im Dezember 2016 mehrmals verschoben worden. Schon ab 2014 hatte die Fed für die kommenden Jahre bis etwa 2018 einen Leitzins von 2,0 % anvisiert. Da nun der US-amerikanische Jobmotor deutlich angesprungen ist – der Stellenzuwachs betrug im Februar 2017 über 235.000 Stellen (Analystenprognose: 190.000 Stellen) -, führt an einer Leitzinserhöhung wie angekündigt praktisch kein Weg mehr vorbei. Die US-Erwerbslosenquote beträgt inzwischen sagenhaft niedrige 4,7 %, was de facto einer Vollbeschäftigung entspricht. Der Leitzins liegt seit Dezember 2016 im Korridor von 0,5 bis 0,75 %.

Reaktion der Märkte

Der Euro stieg gegen den US-Dollar nach der Veröffentlichung der Arbeitsmarktdaten, weil die Märkte die Zinserhöhung antizipieren. Schon vor der Börseneröffnung zeichneten sich zudem anziehende Aktienkurse ab. Fed-Chefin Janet Yellen verweist in ihren Statements immer wieder auf die Bedeutung des Arbeitsmarktes für die Leitzinsen. Die zunehmende Zahl von Jobs wurde unter anderem durch die milde Witterung begünstigt, allein am Bau entstanden 58.000 neue Stellen. Das war der größte Zuwachs innerhalb dieser Periode für das letzte Jahrzehnt. Hinzu kommt die wirtschaftsfreundliche Politik des seit Januar regierenden Präsidenten Donald Trump. Er will die ohnehin schon florierende Konjunktur zusätzlich mit Investitionen und Steuersenkungen ankurbeln. Kritiker befürchten jetzt schon eine Überhitzung der US-Wirtschaft. Es ist Trumps erklärtes Ziel, Jobs zu schaffen, wobei er mit gutem Beispiel vorangeht: Im staatlichen Sektor entstanden seit Trumps Amtsantritt 8.000 Stellen. Um die angepeilte Inflation in den USA von ~2,0 % zu erreichen, dürfte die Fed den Leitzins nun auf 1,0 % anheben.

Kontrastprogramm in Europa

Auch in Europa steigt die Inflation allmählich wieder, dennoch will die EZB bei ihrer ultralockeren Geldpolitik bleiben. Lediglich das QE-Programm (Anleiheaufkäufe) wird vorerst auf dem gegenwärtigen Stand eingefroren. Es soll bis Ende 2017 laufen, das Gesamtvolumen wird dann 2,28 Billionen Euro betragen. Der Leitzins bleibt bei 0,0 %, die Strafzinsen für das Geldparken von Banken bei der EZB bleiben ebenfalls erhalten (derzeit 0,4 %). Mario Draghi hat angedeutet, dass ihm nach dem möglichen Ende des QE-Programms ein negativer Leitzins vorschwebt: Geschäftsbanken würden dann dafür belohnt, wenn sie sich Geld leihen, hingegen bestraft, wenn sie es bei der EZB parken. EZB-Chef Draghi hält diese Maßnahmen für unausweichlich. Er beklagt vor allem den mangelnden Reformeifer verschiedener europäischer Staaten, zudem sei die Kerninflation nach wie vor zu niedrig. Das ist die Inflationsrate ohne Öl- und Lebensmittelpreise. In Deutschland beträgt die Gesamtinflationsrate inzwischen wieder 2,2 %, sie steigt auch im übrigen Euro-Raum und könnte nach Expertenmeinung sogar noch weiter steigen. Auch die Konjunktur zieht in Gesamteuropa an.

Was bewirkt eine Zinsschere zwischen den USA und Europa?

Von einer Zinsschere ist das Währungsverhältnis zwischen Euro und US-Dollar am meisten betroffen, das wiederum unmittelbare Auswirkungen auf die Import-Export-Wirtschaft hat. Exporte in die USA könnten sich verbilligen, also weniger Einnahmen generieren, Importe könnten teurer werden. Das würde den protektionistischen Absichten von US-Präsident Donald Trump entgegenkommen.