Zertifikate

Juristisch betrachtet sind Zertifikate Inhaberschuldverschreibungen, die ähnlich wie Anleihen funktionieren. Da ihre Funktionsweise von Anleihen abgeleitet ist, bezeichnet man sie auch als Derivate. Mit einem Zertifikat investiert der Anleger nicht direkt in einen Wert, er kauft also keinen Anteil an einem Fonds oder an einem Rohstoff. Die wichtigste Eigenschaft des Zertifikats ist es vielmehr, die Entwicklung des Basiswerts abzubilden. Der Anleger nimmt an der Wertentwicklung des Basiswerts teil, ohne aber direkt in ihn zu investieren.

Zertifikate: Ein komplexes Produkt einfach erklärt

Vereinfacht gesagt schließt der Anleger beim Kauf eines Zertifikats eine Wette darauf ab, dass eine bestimmte Kursentwicklung des gekauften Papiers tatsächlich eintritt. Angenommen, der Anleger gibt einer Bank einen bestimmten Betrag als Wetteinsatz. Er kann darauf wetten, dass der Goldpreis weiter steigt. Ist das der Fall, erhält der Anleger sein investiertes Kapital am Ende der festgelegten Laufzeit zurück. Hinzu kommt außerdem ein vorher vereinbarter Zins. Hat der Anleger aber Pech und der Goldpreis entwickelt sich nicht wie angenommen, ist die Zinszahlung deutlich geringer, häufig werden auch gar keine Zinsen gezahlt. Der Anleger erhält dann nur sein investiertes Kapital ganz oder teilweise zurück. Bei dem gekauften Zertifikat handelt es sich um eine abgeschlossene Wette, dass der Basiswert sich in eine prognostizierte Richtung entwickelt. Der Herausgeber des Zertifikats ist der Emittent.

Viele Produkte, ähnliches Konzept

Zertifikate gibt es in unterschiedlicher Form. Sie unterscheiden sich hinsichtlich der Risiken, die der Anleger eingeht, und auch der Basiswert, in den der Investor sein Geld einbringt, ist recht unterschiedlich. Typische Basiswerte sind Rohstoffe wie Gold, Silber oder Öl. Doch auch einzelne Aktien oder Aktienindizes wie der DAX sind klassische Basiswerte. Selbst Währungen und Fonds sind solche Basiswerte. Doch nicht nur der Basiswert ist je nach Zertifikat unterschiedlich. Auch die Funktionsweise des Zertifikats selbst kann variieren. Sie ist ausschlaggebend für die Chancen und Risiken, die sich aus dem Derivat ergeben.

Indexzertifikate orientieren sich an einem vorgegebenen Index. Der Basiswert ist beispielsweise der deutsche Aktienindex DAX, der amerikanische Dow Jones oder der Rentenindex. Zu unterscheiden sich Preisindizes, die sich an der Kursentwicklung eines Papiers ohne Dividende orientieren und Performance-Indizes, bei denen die Dividende in die Entwicklung eingerechnet wird. Bei Basketzertifikaten handelt es sich im Grunde um einen Korb aus mehreren Aktien oder Indizes. Diese werden in einem Basket zusammengefasst. Die Gewichtung der einzelnen Werte in diesem Korb kann sich im Lauf der Zeit ändern, der Emittent ist berechtigt, solche Änderungen der Gewichtung vorzunehmen. Einzelwertzertifikate orientieren sich an einem einzigen Wert als Basiswert. Das kann ein Rohstoff sein, doch auch eine einzelne Aktie kann einem Zertifikat zugrunde liegen.

Mit diesen Kosten müssen Anleger rechnen

Bei Zertifikaten fallen zunächst Ausgabeaufschläge an. Der Ausgabeaufschlag wird an die Bank gezahlt, die ihren Kunden ein Zertifikat aktiv anbietet. Die Bank darf den Aufschlag behalten, der Verkauf von Zertifikaten ist für sie also ein attraktives Geschäft. Als Anleger ist man gut beraten, auf die Höhe der Kosten zu achten und diese vor der Entscheidung für eine Bank zu vergleichen. Der Ausgabeaufschlag entfällt, wenn der Kauf direkt über die Börse durchgeführt wird. Man spricht dann vom Kauf am Zweitmarkt. Neben dem Ausgabeaufschlag muss der Anleger mit Vertriebsprovisionen rechnen, die an die Bank gezahlt werden, sofern sie den Vertrieb über ihre Bankberater durchführt. Werden Zertifikate an der Börse gehandelt, fallen auch dafür Gebühren an. Die Bank berechnet dem Anleger eine Gebühr in der Höhe, die von der jeweiligen Börse vorgeben wird. Die Auslagen bestehen meist aus einer Grundgebühr und aus einem variablen Teil, der an der Höhe des angelegten Geldes orientiert ist.

Neben den einmaligen Kosten fallen laufende Verwaltungsgebühren an. Diese werden vor allem bei Zertifikaten mit einer unbegrenzten Laufzeit fällig. Selbst erfolgsabhängige Gebühren sind möglich, wenn der Basiswert des Zertifikats ein Hedgefonds ist. Alle Kosten mindern die Rendite für den Anleger, deshalb sind die einzelnen Positionen genau zu prüfen, bevor man sich für den Kauf eines Zertifikats entscheidet. Als Privatinvestor muss man aber wissen, dass viele Banken ihre Gebühren nicht transparent machen. Es ist dann schwer für den Anleger, Angebote zu vergleichen und die Kosten genau zu überprüfen. Hier mangelt es nach Meinung von Verbraucherschützern häufig an Transparenz und Verständlichkeit für den Anleger.

Diese Risiken können entstehen

Das größte Risiko eines Zertifikats besteht im Emittentenrisiko. Der Emittent ist der Herausgeber des Zertifikats, der meist eine Bank ist. Die Bank erhält das investierte Geld und muss es nach der Laufzeit zurückzahlen. Bei Zertifikaten mit langer Laufzeit steigt das Risiko, dass der Emittent in der Zwischenzeit zahlungsunfähig wird, überproportional an. Der Anleger verliert dann im schlimmsten Fall sein angelegtes Geld, alternativ muss er ein langes Insolvenzverfahren durchstehen, um am Ende einen Teil seines Kapitals ausgezahlt zu bekommen. Neben dem Emittentenrisiko ist auch das Kursänderungsrisiko nicht zu vernachlässigen, denn der Basiswert, der dem Zertifikat zugrunde liegt, kann stark schwanken. Und schließlich kann der Anleger innerhalb des vereinbarten Zeitraums nicht auf sein Kapital zugreifen, er trägt also das Liquiditätsrisiko.

Autor
Thomas Schulz
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