Aktienarten

23.01.2019 | Zuletzt aktualisiert am 03.02.2019

Stückaktie

Eine Stückaktie lautet auf keinen Nennwert. Das bedeutet, dass auf den effektiven Stücken der Aktie kein Betrag aufgedruckt ist. Dadurch besitzt jeder Aktionär denselben Anteil an dem Grundkapital der Aktiengesellschaft. Im Börsenhandel sind Stückaktien an der Abkürzung o.N. zu erkennen. Die Abkürzung steht für die Worte „ohne Nennwert“.

Am einfachsten lässt sich eine Stückaktie an einem Beispiel erklären:

  • Eine Aktiengesellschaft verfügt über ein Grundkapital von 250.000,00 Euro.
  • Es werden 100.000 Aktien ausgegeben
  • Jede Aktie besitzt einen Anteil von 0,001% am Grundkapital

Auch wenn es sich um eine nennwertlose Aktie handelt, lässt sich ein rechnerischer Nennbetrag ermitteln. Dazu muss nur das Grundkapital durch die Anzahl der Aktien geteilt werden. In unserem Beispiel ergibt die Rechnung:

  • 250000 : 100000 = 2,50 Euro.

Nach §8 des Aktiengesetzes (AktG) muss der Nennbetrag einer Aktie mindestens 1,00 Euro betragen. Das gilt auch für den rechnerischen Nennbetrag einer Stückaktie. Die Aktiengesellschaft aus dem Beispiel dürfte also bei einem Grundkapital von 250.000,00 Euro maximal 250.000 nennwertlose Stückaktien herausgeben.

Die Idee der Stückaktie entstand schon in der 1960er Jahren. In Deutschland hat die Stückaktie vor allem mit der Währungsumstellung auf den Euro ab 1998 an Bedeutung gewonnen. Die Umrechnung der einzelnen Währungen in den entsprechenden Eurowert ergibt in den meisten Fällen einen krummen Betrag. Da die Finanzexperten der Bundesregierung jedoch keine Nennwertaktien mit Beträgen wie 2,56 Euro in Umlauf bringen wollten, wurde am 25. März 1998 das Stückaktiengesetz verabschiedet.

Seitdem geben zahlreiche Aktiengesellschaften nur noch Stückaktien in Umlauf. Nur wenn Aktien deutscher Unternehmen auch an amerikanischen Börsen gehandelt werden sollen, kommt es noch zur Emission von Aktien mit Nennwert. Das liegt daran, dass Nennwertaktien in den USA noch stark verbreitet sind. Daher ist die Emission einer Nennwertaktie an einer amerikanischen Börse einfacher.

Nennwertaktie

Die Nennwertaktie ist das Gegenteil der Stückaktie. Auf der Aktie ist ein Betrag zu finden. Dieser Betrag gibt den Anteil des Aktionärs am Grundkapital der Aktiengesellschaft an. Nach §8 Abs. 2 AktG muss der Mindestnennwert 1,00 Euro betragen. Dabei muss nicht jeder Anleger über denselben Anteil verfügen.

Ein Unternehmen mit einem Grundkapital von 500.000,00 Euro kann beispielsweise 100.000 Aktien mit einem Nennwert von 1,00 Euro plus 10.000 Aktien mit einem Nennwert von 10,00 Euro plus 3.000 Aktien mit einem Nennwert von 100,00 Euro emittieren. Umgekehrt lässt sich aus der Gesamtzahl der emittierten Nennwertaktien das Grundkapital einer Aktiengesellschaft berechnen:

Aus dem oben genannten Beispiel ergibt sich folgende Rechnung:

  • 100.000 Aktien mit Nennwert 1,00 Euro = 100.000,00 Euro
  • 10.000 Aktien mit Nennwert 10,00 Euro = 100.000,00 Euro
  • 3.000 Aktien mit Nennwert 100,00 Euro = 300.000,00 Euro
  • 100.000,00 Euro + 100.000,00 Euro + 300.000,00 Euro = 500.000,00 Euro Grundkapital

Anders als bei der Stammaktie besitzen die Anleger also nicht jeweils denselben Anteil am Grundkapital der Aktiengesellschaft. Käufer von Aktien mit einem Nennwert von 1,00 Euro erwerben 0,001% des Grundkapitals, Käufer von Aktien mit einem Nennwert von 10,00 Euro besitzen schon 0,01% und Käufer von Aktien mit einem Nennwert von 100,00 Euro verfügen über 0,1% des Grundkapitals.

Bei der Emission neuer Aktien muss sich ein Unternehmen entscheiden, ob es sich um Nennwertaktien oder um Stückaktien handeln soll. Es ist nicht zulässig, beide Aktiengattungen gleichzeitig herauszugeben.

Stammaktie

Viele Anleger haben Stammaktien in ihrem Depot. Es handelt sich um eine häufig ausgegebene Aktienart, die mit Rechten und Pflichten für den Aktionär verbunden ist.

Zu den mit einer Stammaktie verbundenen Rechten gehören:

  • Stimmrecht bei der Hauptversammlung
  • Anrecht auf eine Dividende, falls es zur Gewinnausschüttung kommt
  • Bezugsrecht auf den Bezug neuer Aktien bei Erhöhung des Grundkapitals
  • Anteil am Liquidationserlös bei Auflösung der Aktiengesellschaft

Auf der jährlichen Hauptversammlung verkörpert jede Aktie eine Stimme. Je mehr Aktien ein Anleger besitzt, umso mehr Stimmen kann er zu den auf der Versammlung besprochenen Themen abgeben. Dazu muss er entweder seine persönliche Teilnahme an der Hauptversammlung anmelden oder er beauftragt seine Bank oder eine Anlegerschutzvereinigung, ihn zu vertreten.

Die Aktionäre können auf der Hauptversammlung den Vorstand des Unternehmens entlasten oder ihm ihr Misstrauen aussprechen. Auch die Verteilung des Bilanzgewinns ist Thema der Hauptversammlung. Wenn im abgelaufenen Geschäftsjahr ein Gewinn erzielt wurde, wird der Gewinnanteil je Stammaktie beschlossen. Die Höhe der Dividende ergibt sich aus dem ausgezahlten Gewinnbetrag dividiert durch die Gesamtzahl der Stammaktien. Je mehr Stammaktien ein Anleger besitzt, umso höher ist sein Dividendenanteil. Die Aktionäre können auch entscheiden, den Gewinn zu reinvestieren. Dann erhalten die Anleger keine Dividende, auch wenn der Besitz von Stammaktien sie dazu berechtigt.

Wenn ein Unternehmen beschließt, das Grundkapital zu erhöhen, sind die bisherigen Aktien weniger wert. Das ergibt sich aus der Berechnung Grundkapital dividiert durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien. Die Besitzer von Stammaktien erhalten daher ein Bezugsrecht auf eine entsprechende Anzahl neuer Aktien, um dem Wertverlust auszugleichen. Wenn die Hauptversammlung beschließt, eine Aktiengesellschaft aufzulösen, erhält jeder Stammaktionär einen Anteil am Liquidationserlös.

Neben den Rechten müssen Aktionäre auch einige Pflichten beachten:

  • Zahlung des Kaufpreises für die Anzahl der georderten Stammaktien
  • Treuepflicht gegenüber dem Unternehmen, also keine Bereicherung durch Insidergeschäfte
  • weitere von der Aktiengesellschaft festgelegte Pflichten. Dabei kann es sich beispielsweise um eine vorgegebene Haltefrist nach dem Börsengang handeln. Damit werden die Aktionäre gezwungen, die Aktien eine bestimmt Zeit lang im Depot zu halten. Die Aktiengesellschaft will so Kursverluste durch zu schnelle Verkäufe nach der Erstemission verhindern.

Vorzugsaktie

Eine Vorzugsaktie gilt als Gegenteil der Stammaktie, da sie kein Stimmrecht des Aktionärs beinhaltet. Unternehmen geben Vorzugsaktien aus, um ihr Kapital zu erhöhen, ohne den Aktionären Mitbestimmungsrechte einzuräumen. Maximal 50% des Grundkapitals dürfen als Vorzugsaktien emittiert werden.

Bei Anlegern sind Vorzugsaktien beliebt, weil sie als Ausgleich für das fehlende Stimmrecht eine höhere Dividende bieten. Außerdem erhalten Vorzugsaktionäre die Dividende vor den Stammaktionären. Wenn die Aktiengesellschaft aufgelöst wird, können Vorzugsaktien außerdem einen größeren Anteil am Liquidationserlös erhalten.

Sonderform wandelbare Vorzugsaktie

Eine wandelbare Vorzugsaktie kann zu einem späteren Zeitpunkt in eine Stammaktie umgewandelt werden. Der genaue Termin wird bei Emission der Vorzugsaktie bekannt gegeben. Bei einer freiwilligen Umwandlung kann sich der Aktionär für oder gegen die Umwandlung entscheiden. Häufig zahlt die Aktiengesellschaft eine Prämie für die freiwillige Umwandlung in Stammaktien. Bei einer verpflichtenden Umwandlung hat der Aktionär kein Wahlrecht und er erhält auch keine Prämie.

Sonderform limitierte Vorzugsaktie

Wenn eine Aktiengesellschaft einen Gewinn erwirtschaftet hat, erhalten die Besitzer einer Vorzugsaktie zuerst eine Dividende. Der restliche Gewinn wird anschließend unter den Stammaktionären verteilt. Allerdings ist der Dividendenhöchstbetrag je Vorzugsaktie festgelegt. Daher kann es bei einem sehr erfolgreichen Geschäftsjahr vorkommen, dass das Unternehmen für die Stammaktien eine höhere Dividende zahlt als für die limitierten Vorzugsaktien.

Sonderform kumulative Vorzugsaktie

Die kumulative Vorzugsaktie garantiert den Aktionären auch dann eine Dividende, wenn das Unternehmen keinen oder nur einen geringen Gewinn erwirtschaftet hat. Wenn in einem Jahr nicht die volle Dividende gezahlt werden kann, muss die Zahlung im nächsten Jahr erfolgen. Bei einem Rückstand von zwei Jahren erhalten die Aktionäre nach §141 Abs. 3 Aktiengesetz ein Sonderstimmrecht.

Namensaktie

Wenn eine Aktiengesellschaft Namensaktien ausgibt, führt sie ein Aktienregister. In das Register wird jeder Käufer mit Namen, Adresse und Geburtsdatum eingetragen. Das bedeutet aber auch, dass bei jedem Verkauf die Löschung des alten Besitzers und die Eintragung des neuen Anlegers im Namensregister erfolgen müssen.

Das Aktiengesetz führt zwei Arten von Namensaktien auf:

  1. Namensaktien mit genehmigungsfreiem Eintrag beziehungsweise Löschung des Aktionärs im Aktienregister bei Kauf oder Verkauf
  2. vinkulierte Namensaktie, bei der die Aktiengesellschaft jedem Kauf oder Verkauf zustimmen muss

Unternehmen geben Namensaktien aus, wenn sie den Überblick über die Zusammensetzung der Aktionäre behalten möchten.

Inhaberaktie

Die Inhaberaktie ist das Gegenteil der Namensaktie. Der Inhaber der Aktie verfügt über alle Rechte und Pflichten eines Aktionärs. Dabei muss der Inhaber der Aktiengesellschaft namentlich nicht bekannt sein. Kauf und Verkauf erfolgen ohne Eintrag in ein Register. Bis zum Jahr 1978 galten nach dem Aktiengesetz alle ausgegebenen Aktien als Inhaberaktien. Nur wenn die Satzung der Aktiengesellschaft genaue Angaben über die Aktienart beinhaltete, konnten auch Namensaktien emittiert werden. Das hat sich mit Änderung des Aktiengesetzes im Jahr 1978 geändert. Seitdem müssen sich nach §24 AktG die Emittenten entscheiden, ob sie eine Inhaberaktie, eine Namensaktie oder eine vinkulierte Namensaktie herausgeben.

Junge Aktien

Durch die Ausgabe junger Aktien erhöht ein Unternehmen sein Kapital. Dazu gibt die Aktiengesellschaft zu den bereits emittierten alten Aktien zusätzlich eine bestimmte Anzahl junger Aktien aus. Die jungen Aktien erhalten zunächst eine eigene Wertpapierkennnummer. Wenn die alten Aktien am regulierten Markt einer Wertpapierbörse gehandelt werden, können die jungen Aktien ein Jahr nach der Emission ebenfalls zum regulierten Markt angemeldet werden. Sobald die jungen Aktien dieselben Rechte beinhalten wie die alten Aktien, vor allem das Recht auf Dividendenzahlung, werden sie ebenfalls zu alten Aktien. Sie verlieren dann ihre eigene Wertpapierkennnummer und werden unter der Nummer der alten Aktien geführt.

Altaktionäre können die jungen Aktien im Rahmen ihres Bezugsrechts kaufen. Dabei erhalten sie einen Vorzugspreis. Wenn ein Anleger die jungen Aktien nicht kaufen möchte, kann er sein Bezugsrecht verkaufen.

Weitere Informationen:
Mehr zum Aktiengesetz auf dejure.org
Mehr zur Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger auf wikipedia.org

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