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OTC-Handel: außerbörslich handeln, so funktioniert es

Over the Counter heißt Handel außerhalb der Börse: direkt mit einem Market Maker oder Emittenten, oft bis 22 Uhr oder länger. Was der Direkthandel kostet, wo seine Grenzen liegen und welche Broker ihn anbieten.
Geschrieben von
Charlotte Ruzanski
Geprüft von
Erkan Boga
Bearbeitet von
Sabine Zimmermann
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Over the Counter (OTC) heißt wörtlich „über den Tresen“: Ein Wertpapier wechselt nicht über das Orderbuch einer Börse den Besitzer, sondern direkt zwischen dem Anleger und einem Handelspartner – einem Market Maker wie Lang & Schwarz oder der Baader Bank oder dem Emittenten eines Zertifikats. Im deutschen Sprachgebrauch heißt das Direkthandel oder außerbörslicher Handel. Der Handelspartner stellt sofort einen Kurs, die Order wird in Sekunden ausgeführt – und das häufig von morgens bis 22 Uhr oder länger, also auch außerhalb der Xetra-Handelszeiten.

Für Privatanleger ist der Direkthandel heute eher Regel als Ausnahme: Fast jeder Online-Broker bietet ihn an, viele ohne Handelsplatzentgelt. Der Unterschied zur Börse liegt in der Kontrolle: Dort überwacht eine Handelsüberwachungsstelle die Preisbildung, im Direkthandel vergleichen Anleger den gestellten Kurs selbst mit dem Kurs der Referenzbörse. Das Widget oben zeigt Broker, die den Direkthandel anbieten.

Was bedeutet OTC-Handel?

Handeln mit OTC-Aktien ist ein Thema, das Anlegern attraktiv erscheinen kann. Doch was genau ist außerbörslicher Handel? OTC steht für „Over The Counter” („über den Tresen“). Der Begriff hat sich für den Handel außerhalb der Börsen durchgesetzt und beschreibt den direkten Handel von Aktien und Wertpapieren zwischen Verkäufern und Käufern auf den Kapitalmärkten. Alternativ wird OTC-Trading auch Direkthandel genannt. Die gesetzlichen Bestimmungen für den Wertpapierhandel sind auch für den OTC-Handel mit Wertpapieren geltend. Beachtenswert ist, dass nicht alle gängigen Depot-Anbieter wie Banken und Broker den Handel außerbörslicher Wertpapiere anbieten. Überprüfen Sie daher die Konditionen der Depotführung, etwa eine kostenlose Depotführung, der verschiedenen Anbieter genau.

Besonderheiten des OTC-Handels

Aufgrund der fehlenden landesrechtlichen Börsenaufsicht sind „über den Tresen“ mehr Finanzprodukte, wie Aktien handelbar als beim Börsenhandel, nämlich auch solche Wertpapiere, die nicht standardisiert und deshalb nicht börslich zugelassen sind. Hierzu zählen unter anderem unverbriefte, maßgeschneiderte OTC‑Optionen (OTC-Derivate wie Swaps oder Forwards), die aber von Privatanlegern nicht gehandelt werden können. Außerbörslich können aber auch Produkte gehandelt werden, die an der Börse verfügbar sind.

Da Börsen als Vermittlung zwischen Broker und Verkäufer beim OTC-Handel nicht vonnöten sind, fallen geringere Kosten an. Lediglich der OTC-Broker verlangt in der Regel Gebühren. Außerdem fällt der Handelszeitraum für den täglichen Handel umfangreicher aus: Außerbörslich kann in der Regel von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr gehandelt werden.

Neben den Vorteilen, die durch die fehlende Börsenaufsicht entstehen, bringt dieser Faktor auch Nachteile mit sich. So steigt nämlich beim außerbörslichen Wertpapierhandel das Risiko und es bestehen keine Vergleichsmöglichkeiten der Preise wie an der Börse. Im Folgenden sollen die Vor- und Nachteile des OTC-Handels für Anleger genauer beleuchtet werden.

Handelsplätze für OTC-Wertpapiere

Direkthandel mit OTC-Aktien kann außerhalb jeglicher Handelsplätze im Direkthandel erfolgen. Jedoch ist ein OTC-Broker mit Zugang zu Handelsplätzen außerhalb der Börse ein guter Ausgangspunkt. Ein echter außerbörslicher Handelsplatz (OTC-Direkthandel) ist bilateral. Es werden nicht verschiedene Anleger und Emittenten wie an einer regulierten Börse (multilateral) zusammengeführt. Stattdessen schließt der Anleger das Geschäft direkt mit einem einzelnen Kontrahenten (Market Maker oder Emittent) ab.

Durch diese Vermittlung entstehen bei den Handelsplätzen auch Gebühren, die jedoch lange nicht, oder nur in geringem Maße an Anleger weitergegeben wurden, weswegen Orders preiswert, teilweise sogar kostenlos ausgeführt werden konnten.

MiFIR-Reform der EU am 1. Juli 2026

Das Rückvergütungsmodell (Payment for Order Flow) wurde durch die MiFIR-Reform der EU zum 1. Juli 2026 endgültig verboten. Broker dürfen nun keine Kick-backs von Market-Makern mehr annehmen, um damit „kostenlose“ Orders gegen zu finanzieren.

Vor- und Nachteile des OTC-Handels

Vorteile
  • Manche Produkte gibt es nur im OTC-Handel
  • Der Spread kann sehr gering ausfallen.
  • OTC-Handel ist schnell
  • Manche Produktinnovationen lassen sich nur per OTC-Handel verwirklichen

Nachteile
  • Der OTC-Handel lässt sich börslich nicht kontrollieren
  • Die Kurse müssen nicht stimmen
  • Durch die fehlende Einsicht in das Orderbuch ist der OTC-Handel grundsätzlich intransparent
  • In illiquiden Märkten kann eine nicht sichtbare OTC-Handelsaktivität eines stark kapitalisierten Marktteilnehmers große, unerwartete Kurssprünge verursachen

Neben den niedrigeren Kosten aufgrund des Wegfalls der Börsen als Vermittler profitieren Händler beim OTC-Handel auch von weiteren Vorteilen. So kann etwa schneller auf sinkende oder steigende Kurse reagiert werden, da sich der außerbörsliche Handel zeitsparend abwickeln lässt und nur wenige Sekunden bis Minuten dauert.

Risiken beim OTC-Trading

Die zahlreichen Vorteile des OTC-Handels sind jedoch nicht ohne Vorsicht zu genießen: Der Kunde verfügt außerhalb der Regulierung der Börsen über eine geringere Aufsicht beziehungsweise Kontrolle über die Kosten der Order. Das kommt auch daher, dass der Vergleich mit den Referenzmärkten nicht gegeben ist, den der Börsenhandel ermöglicht. Auch das Risiko eines Verlustes ist höher, da keine strengen Aufsichten. Deshalb gilt ganz generell: Handeln Sie nur mit Finanzprodukten, mit denen Sie sich auskennen! Finanzprodukte, die sowohl OTC als auch börslich gehandelt werden, können im OTC-Handel meist günstiger erworben und trotzdem mit den aktuellen Kursen an Börsen verglichen werden.

Ordergebühren des OTC-Handels

Ein erheblicher Gebührenvorteil existiert durch im Vergleich zum teuren Börsenhandel (z. B. über Frankfurt/Stuttgart). Beim Trading von OTC-Wertpapieren und Fonds fallen bis auf Ausnahmen (Sondervereinbarungen des Anbieters oder Brokers mit einem bestimmten Emittenten und nur für bestimmte Wertpapiere) ähnliche Kosten für eine Order an wie für die börsliche Platzierung, allerdings sparen Anbieter die sonst anfallenden Börsenspesen.

Ob Anbieter eine kostenlose Depotführung anbieten, oder ob Kosten in Höhe einiger Euro pro Order oder sonstige Trading-Gebühren anfallen, sollten Anleger sorgsam prüfen. Bei einem OTC-Handel von CFDs hingegen entfallen auch die Ordergebühren (bis auf ganz wenige Ausnahmen bei einigen Brokern und einigen CFDs), was einen wirklich großen Vorteil des OTC-Handels ausmacht. Diesem Vorteil steht jedoch auch ein Nachteil gegenüber: Den Kurs für das Derivat legt der Broker fest. Dieser ist in vielen Fällen auch der Market-Maker, sorgt also für den Ausgleich aller Call- und Put-Positionen und handelt zum Zweck des Hedgings selbst ein wenig mit, sodass alle Positionen insgesamt auf +/- 0,00 hinauslaufen sollen.

Es ist auch festzuhalten, dass CFD-Broker ihre Gebühren über weite Spreads und hohe Haltekosten (Overnight-Gebühren) finanzieren, was meist teurer ist als herkömmliche Ordergebühren.

So läuft ein außerbörslicher Handel ab

Wer als Privatanleger OTC handeln möchte, kann dies über einen Online-Broker tun, der als Schnittstelle zwischen Käufer und Verkäufer oder auch Emittent fungiert. Der außerbörsliche Handel beginnt mit dem Interesse eines Käufers an einem bestimmten Finanzprodukt. Er stellt folglich eine Kursanfrage bei seinem Online-Broker bzw. OTC-Anbieter. Dessen Aufgabe liegt dann darin, einen unverbindlichen Preis in Erfahrung zu bringen, der für das Finanzprodukt von einem anderen Marktteilnehmer verlangt wird. Bei diesem Marktteilnehmer kann es sich um einen Emittenten, einen gewöhnlichen Händler oder einen Privatanleger handeln.

Im Sekundenhandel stellt der Emittent auf Anfrage (Quote-Request) einen verbindlichen Kurs für wenige Sekunden zur Verfügung. Der Kunde entscheidet, ob er zu diesem Kurs kauft/verkauft. Stimmt der Kunde zu, wird die Order sofort vollautomatisch ausgeführt; der Verkäufer hat danach kein nachträgliches Entscheidungsrecht mehr.

Das passende Depotkonto für OTC-Trading

Auch wenn OTC-Trading immer mehr Bekanntheit erlangt, bieten jedoch nicht alle gängigen Anbieter und Broker das Trading mit OTC-Aktien an.  Voraussetzung für den OTC-Trade ist der Besitz eines Depotkontos bei einem Online-Broker, der diese Handelsart unterstützt. Wichtig ist es darüber hinaus, festzustellen, ob der gewählte Online-Broker auch den Handel außerhalb der Börsen mit anderen Marktteilnehmern unterstützt.

OTC-Handel ist per Definition bilateral (Anleger gegen einen einzigen Kontrahenten wie einen Market Maker oder Emittenten). Manche Broker bieten zwar den inländischen Direkthandel mit deutschen Emittenten an, erlauben jedoch keinen Zugriff auf die US-amerikanischen OTC Markets (OTCQX, OTCQB, Pink Sheets) , bei denen Orders über internationale Broker-Dealer-Netzwerke geroutet werden.

Fazit

OTC steht für „Over the Counter“-Handelsgeschäfte, die nicht an der Börse, sondern außerbörslich ablaufen. Ob Privatanleger vorzugsweise an Börsen oder außerbörslich handeln, ist von den persönlichen Präferenzen abhängig. Erfahrene Anleger, die häufig Kauf- und Verkaufsaufträge erstellen, profitieren von der kostengünstigeren Handelsweise über den Tresen. Es bestehen beim OTC Trading allerdings keine Vergleichsmöglichkeiten bei Produkten, die nur außerbörslich gehandelt werden. Laien sollten dann besonders vorsichtig vorgehen und keinen unüberlegten Handel mit ihnen unbekannten Finanzprodukten betreiben.

Grundsätzlich gilt für den Handel mit Wertpapieren, sich im Vorhinein gut über alle Grundlagen der Geldanlage und des Handelns zu informieren und nicht mit Papieren zu handeln, mit denen man nicht vertraut ist. Auch bei OTC-Aktien stellt das passende Depot eine Voraussetzung für erfolgreiches Trading dar. Anleger sollten ein Depot finden, welches sich durch kostenlose Depotführung und günstige Konditionen auszeichnet. Auch sollte das Depotkonto Zugang zu zahlreichen OTC-Fonds und ‑Wertpapieren bieten. Das unterstützen allerdings nicht alle Banken und Broker. Ein Depotvergleich der Konditionen von Banken und Brokern kann kostenlos durchgeführt werden und lohnt sich, um kostenlose Broker mit guten Konditionen zu finden.

Häufige Fragen

Außerbörslicher Handel, auch als Over-The-Counter (OTC) Handel oder Direkthandel bezeichnet, bietet eine Möglichkeit, Aktien oder Anleihen außerhalb der Börse zwischen Finanzteilnehmern zu handeln. OTC-Handel wird allerdings nicht von jedem Broker unterstützt.

Durch den Verzicht auf traditionelle Börsen fallen häufig gebühren weg. Außerdem ist das Angebot an Wertpapieren auf den OTC-Märkten größer als an regulierten Börsen und ist oft sehr schnell abwickelbar.

 

Durch die fehlende Kontrolle der Börse lassen sich die Handelsbedingungen und Kursinformationen nicht prüfen. Kurssprünge und hohe Risiken können die Folge sein. Allgemein ist OTC-Handel recht intransparent und sollte nur mit Vorsicht durchgeführt werden.

 

Privatanleger können über einige Online-Broker am OTC-Trading teilnehmen. Jedoch bieten nicht alle Depot-Anbieter den Zugang zum Handel außerhalb der Börse an. Zu beachten ist je nach Absicht der Anleger ebenfalls, ob der Broker OTC-Wertpapierhandel aber nicht direkten Handel zwischen Marktteilnehmern ermöglicht.

Im deutschen Direkthandel üblichen Quote-Request-Verfahren stellt der Emittent einen für wenige Sekunden verbindlichen Kurs (Angebot). Klickt der Kunde auf „Kaufen“, nimmt er das Angebot an und das Geschäft ist rechtskräftig abgeschlossen. Der Emittent kann danach nicht mehr ablehnen.

Über die Autoren
Charlotte Ruzanski Als leitende Redakteurin bei der qmedia GmbH verantwortet Charlotte Ruzanski seit 2013 die redaktionelle Qualität und Verständlichkeit der Inhalte auf depotkonto.de. Mit ihrer über zehnjährigen...
Erkan Boga Gründer & Geschäftsführer Erkan Boga ist Gründer der qmedia GmbH und die treibende Kraft hinter depotkonto.de. Als Unternehmer mit über 30 Jahren Erfahrung im digitalen Sektor verbindet er... Mehr erfahren
Sabine Zimmermann Finanzredakteurin & Expertin für Geldanlage Transparent investieren: Komplexe Finanzmärkte einfach und nutzernah erklärt. Mehr erfahren