Aktienhandel – so gelingt der Einstieg

Viele private Anleger schrecken vor dem Aktienhandel zunächst zurück. Der Begriff mag schwer greifbar erscheinen, häufig haftet ihm sogar ein etwas zweifelhafter Ruf an. Das liegt daran, dass man mit Wertpapieren gerne das Risiko von hohen Kursschwankungen und entsprechenden Verlusten bis hin zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbindet.

Das ist aber keinesfalls immer der Fall. Vielmehr werden unter dem Oberbegriff Wertpapiere zahlreiche unterschiedliche Formen von Geldanlagen zusammengefasst, die hinsichtlich der Chancen und Risiken sehr vielseitig gestaltet sind. Wer die Differenzen berücksichtigt und die einzelnen Arten von Wertpapieren kennt, findet auf dem Markt mit Sicherheit die Variante, die optimal zu den finanziellen Zielen und zur persönlichen Risikoeinstellung passt.

Was man zum Einstieg wissen muss

Grundsätzlich sind Wertpapiere eine sinnvolle Ergänzung für den Aufbau von privatem Vermögen. Im Vergleich zu Tages- und Festgeldern oder Sparbüchern bergen sie zwar höhere Risiken, aber auch größere Chancen auf eine angemessene Rendite. Gerade Einsteiger gehen häufig davon aus, dass alle Wertpapiere riskant sind und dass man das angelegte Kapital ganz oder teilweise verlieren kann.

Depot als Basis für den Aktienhandel

Wer Wertpapiere handeln möchte, braucht zunächst einmal ein Depot bzw. Depotkonto, das man bei seiner Hausbank oder einem Onlinebroker eröffnen kann. Den Handel mit den Wertpapieren müssen Privatanleger von einem Aktienbroker abwickeln lassen, da die Vorschriften an den Aktienbörsen sehr streng und unübersichtlich sind. Damit handelt der Broker als ein Zwischenhändler und berechnet in der Regel pro Trade eine Provision.

Die meisten Privatanleger arbeiten inzwischen mit Online Brokern, die in den meisten Fällen klassische Dienstleistungsunternehmen sind. Auch viele Banken bieten im Rahmen ihrer Depotkontos Online-Broker an.

Das richtige Depotkonto finden

Auf der Suche nach dem richtigen Depotkonto für  den Wertpapierhandel, spielen die Gebühren für das Depot eine entscheidende Rolle. Angeboten werden Depotkonten sowohl von Filialbanken vor Ort als auch von Direktbanken. In Puncto Gebühren haben die Direktbanken die Nase vorn: Hier fallen bei den meisten Anbietern keine Gebühren für die Kontoführung an. Filialbanken erheben in der Regel eine solche Gebühr, können dafür jedoch mit der persönlichen Beratung punkten.

Ein weiterer Kostenfaktor des Depotkontos sind die Transaktionsgebühren, die bei Kauf und Verkauf von Wertpapieren fällig werden. Abhängig davon, ob Sie viel oder wenig handeln, sollte die Gebührenstruktur hier an Ihr Trade-Verhalten angepasst sein.

Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Frage, wieviel Wert Sie auf persönliche Beratung legen. Denn diese bekommen Sie am besten bei einer Filialbank. Wenn Sie hingegen jederzeit und schnell auf Kursbewegungen reagieren wollen und jederzeit Zugriff auf Ihr Depotkonto wünschen, ist in Online Depot das beste, denn zu diesem haben Sie rund um die Uhr Zugang. Häufig bieten auch Filialbanken einen Online-Zugang an, sodass auch bei hier häufig die Möglichkeit des raschen Handels besteht.

Diese Arten von Wertpapieren gibt es

Das Risiko beim Wertpapierhandel muss nicht zwangsläufig hoch sein. Es gibt eine Fülle von Wertpapieren und sie alle unterscheiden sich hinsichtlich der Chancen und der Risiken. Es lohnt sich, wenn man sich ein wenig genauer mit den Möglichkeiten beschäftigt. Die Auswahl an Wertpapieren ist enorm, daher gilt für Einsteiger: Konzentrieren Sie sich zunächst auf die Grundlagen.

Aktien und Anleihen

Zu den Grundlagen gehören Aktien und Anleihen. Sie sind eine Möglichkeit für den Anleger, von einer positiven Entwicklung der Unternehmen zu profitieren.

Aktien: Beteiligung an Unternehmen

Mit einem Aktienkauf erwirbt man Anteile an einem Unternehmen und an dessen Erfolgen. Als Investor sind Sie dazu berechtigt, einmal pro Jahr an der ordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens teilzunehmen.

Die Gewinne eines Unternehmens werden in Form von Dividenden an die Aktieninhaber ausgeschüttet. Da die Höhe des Gewinns variabel ist, fällt auch die Dividende immer unterschiedlich aus. Anleger müssen allerdings berücksichtigen, dass sie als Investor auch an einer schwachen Geschäftsentwicklung teilnehmen. So kann die Dividende in wirtschaftlich schlechten Zeiten auch komplett ausfallen. Deshalb sollte man nur dann in Einzelaktien investieren, wenn man den Markt recht gut kennt und regelmäßig beobachtet und sich dadurch eine solide Einschätzung und Prognose der zukünftigen Ereignisse zutraut. Denn ebenso wie gute Geschäftszahlen die Kurse steigen lassen, führen schlechte Zahlen in aller Regel zu Kursverlusten.

Das Risiko von Aktien lässt sich zumindest ein wenig davon ableiten, ob die Unternehmen in einem großen Index notiert sind. D. h. Firmen, die im Dax, TechDax oder Dow Jones gelistet sind, bergen ein deutlich geringeres Risiko als Unternehmen, die in keinem Index verzeichnet sind.

Anleihen: Wenig Risiko – wenig Gewinn

Wer sich für Anleihen entscheidet, wird nicht am Erfolg des Unternehmens beteiligt, sondern erhält Zinsen für das Kapital, das man dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Das Kapitel, das Unternehmen über Anleihen einsammeln, ist rückzahlungspflichtig und zählt daher zum Fremdkapital des Unternehmens.

Anleihen gelten als sehr risikoarm. Das gilt zumindest für Anleihen von renommierten Unternehmen und von den meisten Industriestaaten. In Anbetracht der extrem schlechten Zinssituation in den letzten Jahren sind Anleihen jedoch für viele Anleger nicht mehr attraktiv.

Fonds und ETFs

Fonds und Exchange Traded Funds – kurz als ETFs bezeichnet – sind gerade bei privaten Anlegern sehr beliebte Wertpapiere. Sie lassen sich als monatlicher Sparplan schon mit kleinen Beträgen besparen, so dass man über einen längeren Anlagezeitraum eine attraktive Summe investiert. Auch mit einem geringen Kapitaleinsatz besteht hier die Möglichkeit, einen Gewinn zu erzielen.

Fonds: Gebündelte Aktien

In einem Fonds oder einem ETF sind mehrere Wertpapiere zusammengefasst. Das bedeutet, dass der Verlust eines einzelnen Papiers nicht sehr stark ins Gewicht fällt. Deshalb gelten sie als verhältnismäßig sicher.

Aktienanleger, die in einen Fonds investieren, investieren also in mehrere Unternehmen gleichzeitig, müssen jedoch nur ein Produkt handeln. Die meisten Fonds haben Anlageschwerpunkte und investieren in Unternehmen, die diesem Schwerpunkt gerecht werden. Ein großer Vorteil von Fonds ist, dass der Investor nicht wie beim Aktienkauf jedes Unternehmen einzeln auf sein Risiko analysieren muss, sondern durch die Bündelung der Wertpapiere sein Risiko recht breit streuen kann.

Fonds werden mit einer erwarteten jährlichen Rendite gehandelt, so dass Investoren relativ gut hochrechnen können, wie ihr Gewinn über die Jahre ausfallen wird. Zu beachten gilt dabei natürlich, dass die erwartete jährliche Rendite nur eine statistische Hochrechnung ist und natürlich auch noch oben oder unten ausreißen kann.

Exchange Traded Funds (ETFs)

Das beste Produkt für den Einstieg in den Wertpapierhandel sind ETFs. Diese bilden einen Aktienindex nach, wie zu Beispiel den Dax oder Dow Jones. Damit sind sie fest an einen Index geknüpft und werden nicht – wie bei Fonds – nach einem bestimmten Schema von einem Fondsmanager zusammengestellt.

ETFs sind im Vergleich mit gemanagten Fonds mit relativ geringen Kosten verbunden. Das und das überschaubare Risiko machen ETFs daher zum perfekten Einstiegsprodukt in den Aktienhandel.

Trotzdem sollte man das gesparte Vermögen aus einem Fonds oder einem ETF nicht überstürzt kaufen oder verkaufen müssen, denn daraus kann leicht ein Verlustgeschäft entstehen. Sollte der aktuelle Wert des Fondsguthabens tatsächlich unter die Summe der gesamten Einzahlungen sinken, wartet man am besten ab, bis sich die Kurse wieder erholt haben. Natürlich kann man in einer Phase mit fallenden Kursen sehr gut in einen Fonds einzahlen. Wenn möglich, sollte man in einer solchen Phase allerdings keine Auszahlungen vornehmen müssen.

Zertifikate

Bei einem Zertifikat handelt es sich um Wertpapiere, die an einen bestimmten Wert gebunden sind. Diese Werte können Aktien, Fonds, Indizes, Rohstoffe oder Währungen sein.

Rein rechtlich gesehen handelt es sich bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen der Bank, die die Zertifikate ausgibt. Daher sollten Sie nur Zertifikate von Emittenten kaufen, denen Sie vertrauen. Denn geht der Emittent des Zertifikats in Konkurs, sind sämtliche Forderung, die Sie an ihn haben wertlos und Ihre Investition ist verloren.

Anders als bei Aktien profitieren Sie mit Zertifikaten nicht zwangsläufig von steigenden Kursen. Abhängig vom Zertifikat profitieren Sie davon, wenn der Basiswert fällt, stagniert oder steigt. Daher geben Anleger in Zertifikaten im Prinzip Wetten auf bestimmte Kursentwicklungen ab.

Risikoprodukt oder sinnvolle Ergänzung des Portfolios?

Zertifikate müssen nicht zwangsläufig Risikoprodukte sein. Genau wie bei Aktien auch können Anleger entscheiden, ob sie defensiv oder riskant investieren wollen. Aber auch hier gilt, wie immer an der Börse: Die größten Gewinne lassen sich mit riskanten Produkten erzielen, aber eben auch die größten Verluste. Der Vorteil eines Zertifikats ist, dass Investoren nicht zwingend auf steigende Kurse angewiesen sind, um Gewinn einzufahren.

Hebelprodukte sind besondere Formen der Zertifikate, sie bilden die Wertentwicklung des Basiswerts in überproportionaler Form ab. Durch diesen Hebel hat der Anleger zwar erhöhte Gewinnchancen, gleichzeitig aber auch ein größeres Verlustrisiko. Deshalb sind Hebelprodukte vor allem für erfahrene Anleger mit einer entsprechenden Risikobereitschaft geeignet.

Hohe Kosten für Zertifikate

Ein Nachteil von Zertifikaten sind die hohen Kosten. Diese setzen sich aus mehreren Faktoren zusammen und sind nicht immer transparent ausgewiesen. Manche der Gebühren werden den Investoren nicht direkt in Rechnung gestellt, sondern von den Gewinnen des Produkts abgezogen.

Da Zertifikate relativ komplizierte Produkte sind, ist auch die Kostenstruktur nicht einfach. Dabei gilt grundsätzlich: Je komplizierter das Produkt, umso höher fallen auch die Kosten dafür aus.

Diversifikation minimiert das Risiko deutlich

Es gibt eine grundsätzliche Regel, was den Handel von Wertpapieren anbelangt: Wer seine Investitionen auf viele unterschiedliche Produkte verteilt, senkt sein persönliches Verlustrisiko deutlich. Diese Methode heißt „Diversifikation“.

Idealerweise investiert man in einen Mix aus Wertpapieren, die sich gegenseitig ergänzen. Hierfür ist die Korrelation von Wertpapieren ein wichtiger Messfaktor. Dabei geht es darum Werte zu haben, die steigen, wenn andere sinken. Das beste Beispiel ist dafür Gold. Gold gilt unter Anlegern als sehr sicher und gewinnt oft an Wert, wenn die Aktienmärkte schwächeln.

Anlageziel festlegen und Grenzen setzen

Bevor es an den Aktienkauf geht, gilt es, klar das eigene Anlageziel zu definieren. Um zu wissen, in welche Richtung Ihr Gang an die Börse gehen wird, hilft es, sich folgende Fragen zu beantworten:

1. Wie viel Geld möchte ich in Wertpapiere investieren?

Das Geld, das Sie im Aktienmarkt investieren, ist Kapital, das für längere Zeit gebunden ist und auf das Sie daher nicht grundsätzlich angewiesen sind. Natürlich können Sie Ihre Aktien jederzeit wieder verkaufen, doch wenn Sie das Kapital kurzfristig benötigen, besteht das Risiko, dass Sie ein Verlustgeschäft fahren, weil der Kurs gerade schlecht steht. Daher gilt zunächst: Kalkulieren Sie, wie viel Geld Ihnen für den Handel an der Börse wirklich zur Verfügung steht. Wenn Sie Wertpapiere handeln, sollten Sie übrigens auf keinen Fall einen Kredit dafür in Anspruch nehmen.

2. Wie risikofreudig bin ich? Möchte ich eher defensiv oder spekulativ handeln?

Der Handel an der Börse ist immer auch mit Verlusten bzw. Kurseinbrüchen verbunden. Abhängig davon, in welches Produkt Sie investieren können Sie binnen weniger Wochen mehrere tausend Euro gewinnen – oder eben auch verlieren. Dabei gilt: Je höher die Aussicht auf einen guten Gewinn, umso höher ist auch das Risiko. Klären Sie also vorab, welches Risiko Sie eingehen möchten und ob Sie für potentielle hohe Gewinne auch hohe Verluste in Kauf nehmen können und wollen.

3. Was ist mein Ziel an der Börse? Welche Rendite möchte ich erzielen?

Was erwarten Sie von Ihrem Handel an der Börse? Welche Rendite wollen Sie erzielen und welchen Zeitraum nehmen Sie sich dafür? Als Grundregel beim Handel von Wertpapieren gilt: Denken Sie langfristig! Abhängig von Ihrer Produktwahl ist eine jährliche Rendite von fünf bis zehn Prozent realistisch. Wenn Sie zu schnell zu viel wollen und überstürzt kaufen und verkaufen, ist ein Scheitern vorprogrammiert.

Der beste Zeitpunkt für den Handel mit Wertpapieren

Aktienhandel kann man nur in der Retrospektive genau analysieren. Daher weiß niemand, wann der richtige Zeitpunkt für eine Investition  oder den Verkauf von Wertpapieren ist, man kann immer nur sagen, wann dieser Zeitpunkt war …

Wichtig ist auch aus diesem Grund ein möglichst langer Anlagezeitraum: Je länger ein Anlagehorizont, umso weniger fällt ein schlechter Einstieg in den Börsenhandel ins Gewicht.

Wenn Sie allerdings den Markt genau beobachten, können Sie ganz gut einschätzen, ob sich aktuell eine Investition empfiehlt, oder ob Warten die bessere Wahl ist. Dabei sollten Sie Wirtschaftsfaktoren berücksichtigen wie Inflation, EZB-Zinsentwicklung und den Ölpreis. Sie sollten sich außerdem die Kursentwicklung des Wertpapiers anschauen, dafür ist die Chartanalyse oder Charttechnik hilfreich. Außerdem sollten Sie einen Blick auf die Fundamentalanalyse des Wertpapiers werfen, mit der herausgefunden werden soll, ob ein Aktienkauf aktuell sinnvoll ist oder nicht, indem fundamentale Daten der Aktien genau untersucht werden.

Fazit: Wer in Wertpapiere investiert, muss sich informieren

Bevor man sich an den Handel mit Wertpapieren wagt, sollte man sich unbedingt ein gutes Basiswissen erarbeiten. Wertpapiere bieten dem Investor auch bei kleinen Beträgen eine gute Chance auf solide Erträge. Allerdings unterscheiden sich Wertpapiere je nach Art und Ausgestaltung sehr voneinander. Einer größeren Gewinnchance steht regelmäßig ein höheres Verlustrisiko gegenüber.

Im Idealfall baut ein Anleger ein diversifiziertes Portfolio mit unterschiedlichsten Anlagen auf und hat dadurch eine bessere Chance auf eine attraktive Rendite bei gleichzeitiger Streuung des Risikos. In unserem Ratgeber werden die verschiedenen Wertpapiere im Detail erklärt, so dass es leicht ist, sich anhand der persönlichen Risikoeinstellung für die optimale Anlage zu entscheiden.
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