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Steuern sparen mit dem Kinderdepot: Freibeträge nutzen – und Grenzen kennen

Geldanlagen auf den Namen von Kindern genießen im deutschen Steuerrecht besondere Vorteile. Ob klassisches Kinderdepot oder Junior-Depot – Kapitalerträge werden dem Kind zugerechnet und können innerhalb der gesetzlichen Freibeträge vollständig steuerfrei bleiben. In der Praxis eröffnet das Spielraum, den viele Familien erst spät oder gar nicht nutzen. Entscheidend ist jedoch, die steuerlichen Instrumente richtig einzuordnen – und ihre Grenzen zu kennen.
Geschrieben von
Janine El-Saghir
Steuern sparen mit dem Kinderdepot – Essentials
  • Kapitalerträge aus einem Kinderdepot werden dem Kind steuerlich zugerechnet, nicht den Eltern.
  • Durch Grundfreibetrag und Sparerpauschbetrag können Erträge bis zu rund 13.000 € pro Jahr steuerfrei bleiben.
  • Der Freistellungsauftrag deckt einfache Fälle ab, reicht bei höheren Erträgen jedoch nicht aus.
  • Die Nichtveranlagungsbescheinigung kann Steuern vermeiden, bringt jedoch Folgefragen mit sich.
  • Familienversicherung und spätere Förderansprüche setzen klare Grenzen für die steuerliche Optimierung.

Wie viel Steuerfreiheit Kinder tatsächlich haben

Kinder werden steuerlich als eigenständige Personen behandelt. Kapitalerträge aus einem Kinderdepot werden daher nicht den Eltern zugerechnet, sondern dem Kind selbst. Genau daraus ergibt sich der zentrale steuerliche Vorteil: Kinder verfügen – wie Erwachsene – über eigene Freibeträge, die auch auf Kapitalerträge angewendet werden können.

In der Praxis setzt sich die steuerliche Entlastung aus mehreren Bausteinen zusammen. Zum einen gilt der allgemeine Grundfreibetrag, bis zu dem Einkommen grundsätzlich steuerfrei bleibt. Hinzu kommt der Sparerpauschbetrag, der speziell für Kapitalerträge vorgesehen ist. Werden diese Freibeträge nicht überschritten, fallen auf Zinsen, Dividenden oder Fondsausschüttungen keine Einkommensteuern an.

Meine Erfahrung zeigt jedoch, dass der steuerliche Effekt dieser Freibeträge häufig überschätzt wird. In vielen Fällen bleiben Kapitalerträge aus einem Wertpapier-Depot für Kinder und Jugendliche lange unterhalb relevanter Schwellen – insbesondere bei kleineren Sparraten oder thesaurierenden Anlagen.

Entscheidend ist deshalb: Es handelt sich nicht um einen automatischen Steuervorteil, sondern um einen rechnerischen Rahmen. Ob und in welchem Umfang Freibeträge tatsächlich genutzt werden können, hängt von der Höhe der Erträge, ihrer Regelmäßigkeit und der konkreten Ausgestaltung des Depots ab.

Zudem ist Steuerfreiheit kein isoliertes Ziel. Kapitalerträge können Auswirkungen auf andere Bereiche haben – etwa auf die Familienversicherung oder auf spätere Förderansprüche. Die steuerlichen Freibeträge eröffnen damit Spielräume, ersetzen jedoch keine Gesamtbetrachtung.

Der Freistellungsauftrag – die Basis

Der Freistellungsauftrag ist das grundlegende Instrument, um Kapitalerträge aus einem Kinderdepot steuerfrei zu halten. Er sorgt dafür, dass Banken bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags keine Abgeltungsteuer einbehalten. Für viele einfache Konstellationen reicht das bereits aus – etwa bei kleineren Sparraten oder moderaten Ausschüttungen.

Ausreichend ist der Freistellungsauftrag immer dann, wenn die jährlichen Kapitalerträge des Kindes den Sparerpauschbetrag nicht überschreiten. In diesen Fällen bleibt die Besteuerung unkompliziert, und es sind keine weiteren Schritte erforderlich.

Nicht ausreichen kann der Freistellungsauftrag jedoch, wenn die Erträge deutlich darüber liegen oder regelmäßig anwachsen. Dann wird trotz Freistellungsauftrag Abgeltungsteuer einbehalten, die später nur über eine Steuererklärung oder durch eine Nichtveranlagungsbescheinigung vermieden werden kann.

Ein häufiger Fehler liegt in der formalen Umsetzung: Der Freistellungsauftrag wird auf den Namen der Eltern statt auf den des Kindes eingerichtet. In diesem Fall greift er für das Kinderdepot nicht. Entscheidend ist, dass der Auftrag eindeutig dem minderjährigen Depotinhaber zugeordnet ist und somit dessen Freibeträge berücksichtigt werden.

Die Nichtveranlagungsbescheinigung – sinnvoll, aber kein Selbstläufer

Die Nichtveranlagungsbescheinigung (NV-Bescheinigung) ist das zentrale Instrument, wenn die steuerlichen Freibeträge eines Kindes über den Sparerpauschbetrag hinaus genutzt werden sollen. Sie bewirkt, dass Banken keine Abgeltungsteuer einbehalten, auch wenn Kapitalerträge oberhalb von 1.000 € anfallen. Damit eröffnet sie zusätzliche Spielräume – bringt jedoch auch Folgefragen mit sich.

Wann lohnt sich die NV-Bescheinigung?

Sinnvoll ist sie vor allem dann, wenn die jährlichen Kapitalerträge des Kindes dauerhaft über dem Sparerpauschbetrag liegen. Das betrifft etwa Kinderdepots mit größeren Einmalanlagen oder regelmäßig ausschüttenden Fonds und ETFs. Auch bei fortgeschrittenem Vermögensaufbau kann die NV-Bescheinigung relevant werden, um unnötige Steuerabzüge zu vermeiden.

In vielen Fällen ist sie dagegen nicht erforderlich. Bleiben die Erträge unterhalb der relevanten Schwellen oder entstehen höhere Renditen nur unregelmäßig, reicht oft ein korrekt eingerichteter Freistellungsauftrag aus. Meine Erfahrung zeigt, dass die NV-Bescheinigung häufig vorschnell beantragt wird, obwohl der praktische Nutzen zunächst gering ist.

Wie wird sie beantragt?

Die NV-Bescheinigung wird beim zuständigen Finanzamt beantragt. Erforderlich sind grundlegende Angaben zum Kind, zu den erwarteten Einkünften sowie zur steuerlichen Situation. Nach Prüfung stellt das Finanzamt die Bescheinigung in der Regel für mehrere Jahre aus. Sie wird anschließend bei der Bank hinterlegt, die das Kinderdepot führt.

Wichtig ist die Einordnung: Die NV-Bescheinigung verhindert zwar den Steuerabzug, ersetzt jedoch keine Gesamtbetrachtung. Kapitalerträge zählen weiterhin als Einkommen des Kindes und können Auswirkungen auf andere Bereiche haben – etwa auf die Familienversicherung. Sie ist daher kein automatischer Vorteil, sondern ein gezieltes Werkzeug, das nur dann eingesetzt werden sollte, wenn die Rahmenbedingungen passen.

Die unterschätzte Grenze – Familienversicherung

Die steuerliche Behandlung von Kapitalerträgen ist nur ein Teil der Gesamtbetrachtung. In der Praxis wird häufig übersehen, dass Einkünfte aus einem Kinderdepot Auswirkungen auf die Familienversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung haben können. Genau hier liegt eine der wichtigsten – und zugleich am meisten unterschätzten – Grenzen bei der steuerlichen Optimierung.

Für familienversicherte Kinder gilt eine Einkommensgrenze. Wird sie überschritten, entfällt der Anspruch auf die beitragsfreie Mitversicherung über die Eltern. Maßgeblich ist dabei nicht das Depot selbst, sondern das laufende Einkommen des Kindes. Zu diesem Einkommen zählen auch Kapitalerträge wie Zinsen, Dividenden oder Ausschüttungen aus Fonds.

Problematisch ist, dass diese Grenze oft erst dann relevant wird, wenn der Vermögensaufbau bereits fortgeschritten ist. Steuerlich können Kapitalerträge noch vollständig innerhalb der Freibeträge liegen, während sie krankenversicherungsrechtlich bereits zu hoch sind. Die Folge kann sein, dass für das Kind eigene Krankenversicherungsbeiträge fällig werden – ein Effekt, der den steuerlichen Vorteil schnell relativiert.

In der Praxis wird dieser Zusammenhang häufig unterschätzt oder zu spät berücksichtigt. Eltern und Großeltern planen aus steuerlicher Sicht korrekt, übersehen jedoch die sozialversicherungsrechtlichen Folgen. Gerade bei regelmäßig ausschüttenden Anlagen oder bei höheren Einmalinvestitionen sollte die Einkommensgrenze der Familienversicherung daher frühzeitig mitgedacht werden. Sie markiert in vielen Fällen die tatsächliche Grenze dessen, was sinnvoll ist.

BAföG und Vermögen – langfristig mitdenken

Neben Steuern und Krankenversicherung spielt auch das BAföG eine Rolle, wenn Vermögen frühzeitig auf den Namen eines Kindes aufgebaut wird. Für Studierende gelten Vermögensfreibeträge, bis zu deren Höhe eigenes Vermögen nicht auf den BAföG-Anspruch angerechnet wird.

Liegt das Vermögen oberhalb dieser Freibeträge, kann dies den BAföG-Anspruch mindern oder vollständig entfallen lassen. Entscheidend ist dabei nicht, wann das Vermögen angespart wurde, sondern wie hoch es zum Zeitpunkt der Antragstellung ist. Ein früh eröffnetes und gut gefülltes Kinderdepot kann sich in dieser Phase daher unerwartet nachteilig auswirken.

In vielen Fällen bleibt frühes Sparen dennoch unproblematisch, etwa wenn die Beträge moderat sind oder das Vermögen rechtzeitig für Ausbildungskosten verwendet wird. Wichtig ist jedoch, den zeitlichen Horizont mitzudenken: Ein Kinderdepot wirkt über viele Jahre. Was steuerlich sinnvoll erscheint, kann bei Förderansprüchen später zur Begrenzung werden.

Fazit: Steuervorteile nutzen – aber nicht blind

Aus meiner Sicht ist das Kinderdepot vor allem ein Instrument zur langfristigen Vorsorge – nicht zur kurzfristigen Steueroptimierung. Die steuerlichen Freibeträge eröffnen sinnvolle Spielräume, sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Wer ausschließlich auf maximale Steuerfreiheit abzielt, riskiert, andere Auswirkungen zu übersehen.

Steuern sind ein Werkzeug, kein Ziel an sich. Aus meiner Sicht ersetzen allgemeine Steuertipps keine langfristige, auf die Familie abgestimmte Vermögensplanung. Entscheidend ist, wie gut eine Lösung zur familiären Situation passt und ob sie über viele Jahre hinweg tragfähig bleibt. Aspekte wie Familienversicherung, spätere Förderansprüche oder die Flexibilität im Umgang mit dem angelegten Geld wiegen in der Praxis oft schwerer als theoretische Steuerersparnisse.

Meine Erfahrung zeigt, dass eine klare Struktur und frühzeitige Abstimmung meist bessere Ergebnisse liefern als aggressive Optimierung. Wer den Vermögensaufbau für Kinder oder Jugendliche plant, sollte deshalb vorausschauend denken und lieber bewusst gestalten als rechnerisch maximieren.

Häufig gestellte Fragen – FAQ

Müssen Kinder mit einem eigenen Depot eine Steuererklärung abgeben?

Nein, nicht automatisch. Solange die Kapitalerträge innerhalb der Freibeträge liegen oder eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorliegt, ist in der Regel keine Steuererklärung erforderlich.

Reicht ein Freistellungsauftrag für ein Kinderdepot aus?

Das hängt von der Höhe der Kapitalerträge ab. Bei kleineren Erträgen genügt oft ein korrekt eingerichteter Freistellungsauftrag; bei höheren oder regelmäßig anfallenden Erträgen kann zusätzlich eine Nichtveranlagungsbescheinigung sinnvoll sein.

Kann ein Kinderdepot Auswirkungen auf die Familienversicherung haben?

Ja. Kapitalerträge zählen als Einkommen des Kindes. Werden bestimmte Einkommensgrenzen überschritten, kann der Anspruch auf die beitragsfreie Familienversicherung entfallen.

Über die Autorin
Janine El-Saghir Dr. Janine El-Saghir ist eine erfahrene Finanzanalystin und Wirtschaftsredakteurin, die sich darauf spezialisiert hat, komplexe Finanzthemen für Anleger verständlich aufzubereiten. Mit über 16 Jahren Erfahrung...