Was sind Derivate? Alle Infos zum Handel mit Derivaten

17.01.2019 | Update: 08.11.2019

Ein Derivat ist ein Wertpapier, das von einem Basiswert abgeleitet wird. Dieser wird passenderweise als Underlying bezeichnet, weil er dem Derivat zugrunde liegt. Basiswerte können Aktien, Indizes, Rohstoffe oder Währungspaare sein, doch auch auf Anleihen, Zinsen oder Bonitätsratings werden Derivate konstruiert. Letztere unterscheiden sich erheblich hinsichtlich ihrer Konstruktion, ihrer Handelbarkeit und auch in juristischer Hinsicht.

Was ist ein Derivat?

Derivate gehören unter den Finanzprodukten zu einer sehr risikoreichen und komplexen Anlageklasse. Viele private Anleger wissen nicht, worum es sich bei einem Derivat eigentlich handelt. Dabei ist es wichtig, die Grundlagen des Finanzproduktes zu verstehen, um damit zu handeln.

Der Begriff Derivat funktioniert in der Finanzwelt als Überbegriff einer Vielzahl an Anlageprodukten. Er stammt vom latainischen Wort derivare, was so viel bedeutet wie Ableitung. Mit diesem Hintergrund lässt sich das Derivat einfacher erklären: Der Preis eines Derivats wird von dem des Basisprodukts (also der Aktie oder eines anderen Wertpapiers) abgeleitet. Er kann auch von einer Zins- oder Kursentwicklung abgeleitet werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Preis eines Derivats also von dem eines anderen Finanzproduktes stammt. Der Anleger profitiert demnach von einem Anstieg oder Verfall des Basisproduktes vom entsprechenden Derivat. Wichtig ist es zu erwähnen, dass der Preis des Derivats den des Basisprodukts überproportional nachzieht. Es ist also mit einem Hebel ausgestattet, weshalb Kursschwankungen sich stark auf den Preis auswirken.  Je nach Hebelwirkung bergen verschiedene Derivatarten demnach ein unterschiedlich hohes Risikogehalt.

Kauft ein Anleger ein Derivat, profitiert er von Fall oder Anstieg des Kurses eines Finanzproduktes, ohne dieses zu besitzen.

Verschiedene Derivatarten

Bekannte Derivate sind klassische und binäre Optionsscheine, Knock-outs, CFDs und verschiedene Zertifikateklassen wie Bonus- oder Discount-Zertifikate. Futures sind ebenfalls Derivate, auch wenn ihr Preis dem Underlying sehr ähnlich oder gar mit diesem identisch ist.

Die meisten bekannten Derivate bilden gehebelt den Kurs des Underlyings ab und sind daher sehr preiswert zu erwerben. Der Hebel kann sehr hoch sein (bei manchen CFDs und Knock-outs bis 1:2.000). Eine Sonderrolle nehmen die modernen binären Optionen ein, die nicht mit einem Hebel ausgestattet sind, sondern nur einen festen Betrag gewinnen oder verlieren können.

Was ist der Sinn von Derivaten?

Eigentlich dienen Derivate der preiswerten Absicherung von Marktrisiken. Diese finanzielle Risikoabsicherung nennt sich in der Fachsprache Hedgegeschäft. Das Hedging soll dazu dienen, Preise für Rohstoffe oder Wertpapiere für die Zukunft festzulegen. Der Ursprung soll in folgendem Beispiel näher erklärt werden:

Ein Milchbauer möchte sich gegen das Risiko fallender Butterpreise absichern. Um dies zu tun, kauft er ein Future, das ihm einen Butterpreis in Höhe von 400 € je 100 Kg zum Ende des Jahres versichert. Die Gegenpartei – beispielsweise eine Großbäckerei – möchte sich gegen steigende Butterpreise absichern und zum Ende des Jahres höchstens 400 € je 100 Kg Butter bezahlen.

Nun können folgende Szenarien eintreten: Entweder der Butterpreis fällt an der Börse, dann hat der Bauer den Vorteil, dass er seine Butter trotzdem für 400 € je 100 Kg verkaufen kann. Oder aber, der Butterpreis steigt und somit liegt der Vorteil bei der Bäckerei, die die Butter nun trotzdem für 400 € je 100 Kg kaufen kann. Auf diese Weise kann das Derivat eine enorme Risikoabsicherung für beide Parteien darstellen. Das funktioniert bei Rohstoffpreisen, aber auch bei Wechselkursen, wenn Händler aus Ländern mit verschiedener Währung stammen.

Spekulation mit Derivaten

Im frühen 21. Jahrhundert haben sich Derivate jedoch zum bevorzugten Spekulationsvehikel entwickelt. Der erforderliche Kapitaleinsatz ist sehr gering, es gibt Derivate (zum Beispiel im Bereich der binären Optionen), die sich mit einem einzigen Euro handeln lassen. In juristischer Hinsicht trennen Derivate die Partizipation an der Kursentwicklung eines Basiswertes von dessen tatsächlichem Besitz.

Derivate bieten Anlegern – einfach gesagt – die Möglichkeit, auf Kursentwicklungen zu wetten. Und zwar ohne das Basisfinanzprodukt kaufen zu müssen. Wenn der Anleger also beispielsweise von einem steigenden Gaspreis profitieren möchte, kann er ein Derivat auf den Gaspreis kaufen. Hierbei kann der Hebel verschieden hoch angesetzt werden. Damit steigt sowohl die Chance auf eine hohe Rendite, als auch das Risiko eines Verlustes.

Fazit: Chancen, Risiken und Kritik

Ein Derivat ermöglicht es Investoren, durch Spekulation eine hohe Rendite zu erzielen und durch steigende oder fallende Börsenkurse einen Gewinn zu machen. Gleichzeitig entsteht dadurch auch ein hohes Verlustrisiko, denn der Hebel kann in beide Richtungen ausschlagen und entweder für großen Profit oder aber für einen heftigen Verlust sorgen.

Aufgrund des hohen Risikos wird Einsteigern und privaten Anlegern oftmals davon abgeraten, Derivate zu kaufen. Personen, die sich gut mit dem Markt auskennen und wissen, welche Risiken und Chancen das Finanzprodukt mit sich bringt, können davon durchaus profitieren.

Es gibt durchaus kritische Stimmen in Hinblick auf den Handel mit Derivaten. Banken, die Spekulationshandel betrieben, kamen in der Vergangenheit nicht selten in den Verruf, die Preise für Rohstoffe wie Weizen oder Milch durch die Spekulationen so in die Höhe zu treiben, dass sie für Drittweltländer nicht mehr bezahlbar waren.

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