Wie funktioniert die Börse?

13.01.2019 | Zuletzt aktualisiert am 17.01.2019
Falls Sie möglichst auf Dauer erfolgreich mit Aktien handeln oder in Wertpapiere langfristig investieren möchten, sollten Sie zumindest ein grundsätzliches Verständnis dafür haben, wie die Börse funktioniert. In den Medien wird zwar häufig von den Aktienbörsen berichtet, aber selten finden sich in dem Zusammenhang Erklärungen, warum die Kurse steigen oder fallen, welche Märkte überhaupt vertreten sind und wie der Handel mit Aktien prinzipiell funktioniert. Wir möchten Sie daher in diesem 1. Teil des Ratgebers gerne informieren, was Sie grundsätzlich zum Thema Börse wissen sollten, wie Aktienbörsen funktionieren und warum es wichtig ist, dass Sie die Mechanismen beim Börsenhandel kennen.

Welche Börsen existieren?

Wertpapierbörsen, öfter auch als Aktienbörsen bekannt, sind nahezu die einzigen Handelsplätze, die nicht ausschließlich online vorhanden sind, sondern darüber hinaus noch vor Ort existieren. Bei Devisenbörsen oder Terminbörsen ist es mittlerweile so, dass diese nahezu ausschließlich als Online-Börsen funktionieren, also über die Computersysteme und das Internet. Bei Wertpapierbörsen spricht man neben der in Deutschland zu findenden Computerbörse XETRA auch noch von Präsenzbörsen, weil es tatsächlich Börsenplätze vor Ort gibt, an denen noch physisch gehandelt wird. In Deutschland sind es aktuell noch die folgenden Börsenplätze, bei denen es sich um Präsenzbörsen handelt: Ein ähnliches Prinzip gibt es in den meisten anderen Ländern, in denen Aktien gehandelt werden können. Dort existieren ebenfalls meistens mindestens eine oder mehrere Präsenzbörsen, an denen vor Ort Wertpapiere gehandelt werden. Allerdings nimmt der Computerhandel eine immer dominierende Rolle ein, was sich beispielsweise im Handelsvolumen zeigt. Schon längst werden über die Computersysteme deutlich mehr Aktien gehandelt, als es an den Präsenzbörsen der Fall ist. Für Sie als Anleger macht es prinzipiell allerdings keinen Unterschied, ob der von Ihnen erteilte Handelsauftrag an einer Präsenzbörse oder über die Computersysteme, beispielsweise auf XETRA, ausgeführt wird. Lediglich die Gebühren weichen etwas voneinander ab.

Die Börse ist ein Marktplatz

Wenn es nun darum geht, die Funktionsweise der Wertpapierbörsen zu verstehen, können Sie sich am besten einen normalen Marktplatz vorstellen, der vermutlich auch mindestens einmal pro Woche in Ihrer Stadt als Wochenmarkt vorhanden ist. Dort gibt es auf der einen Seite Händler, die ihre Waren verkaufen und auf der anderen Seite die Verbraucher, die Gemüse, Obst, Eier und andere Nahrungsmittel käuflich erwerben. Die gleichen Parteien sind im übertragenen Sinne auch an der Börse tätig, nämlich auf der einen Seite Aktionäre, die ihre Wertpapiere verkaufen möchten und auf der anderen Seite Anleger, die gerne eine bestimmte Aktie erwerben wollen. Der einzige Unterschied besteht darin, dass es an der Börse Personen gibt, die praktisch zwischen Käufern und Verkäufern geschaltet sind, nämlich die Makler. Der Grund besteht darin, dass Anleger nicht selbst an der Börse handeln dürfen, sondern dies ist lediglich offiziellen Maklern erlaubt. Dabei kann es sich um Einzelpersonen, Unternehmen oder auch bestimmte Departments der Banken und Broker handeln. Das Grundprinzip der Börse ist absolut mit dem eines Marktplatzes zu vergleichen, denn es stehen sich Käufer und Verkäufer gegenüber. Daher funktionieren die Wertpapierbörsen grundsätzlich auch nach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage.

Angebot und Nachfrage bestimmen den Aktienkurs

Zwar gibt es zahlreiche Faktoren, die den Kurs einzelner Aktien beeinflussen können. Dennoch gibt es ein übergeordnetes Grundprinzip, nämlich das von Angebot und Nachfrage. Eine Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank kann zwar einen direkten Einfluss auf die Börsenkurse haben, aber letztendlich findet die Beeinflussung über einen Umweg statt, nämlich dass sich entweder das Angebot oder die Nachfrage reduzieren bzw. erhöhen. Sämtliche Faktoren, welche die Börsenkurse beeinflussen können, wirken also entweder auf das vorhandene Angebot oder die Nachfrage nach Aktien ein. Dies bedeutet, dass an der Börse die üblichen Mechanismen der Marktwirtschaft greifen. Zu nennen ist hier insbesondere der Einfluss von Angebot und Nachfrage auf dem Preis. Ist eine Aktie beispielsweise gefragter als momentan vom Volumen her Wertpapiere zum Verkauf stehen, führt dies in der Praxis meistens zu Kurssteigerungen. Ein sogenannter Nachfrageüberhang bedeutet demnach, dass mehr Aktien gekauft werden sollen, als derzeit zum Verkauf stehen. Die Aktie ist in dem Fall also ein gefragtes Gut, sodass möglichst viele Käufe letztendlich nur dadurch getätigt werden können, dass höhere Preise angeboten werden. Umgekehrt ist das Prinzip natürlich ähnlich, denn sollten mehr Aktien zum Verkauf stehen als potenzielle Käufer am Markt sind, wird dies meistens zu einem Kursrückgang führen. Viel interessanter als dieses Grundprinzip ist allerdings, welche Faktoren die Börsenkurse überhaupt beeinflussen, also warum manchmal die Nachfrage sinkt oder das Angebot steigt.

Welche Faktoren beeinflussen die Börsenkurse?

Als erfolgreicher Anleger sollte man bei einem geplanten Investment in Aktien wissen, welche Faktoren sich wie auf die Aktienkurse auswirken können. Da es deutlich mehr als zehn unterschiedliche Einflussfaktoren gibt, ist es sinnvoll, diese in bestimmte Gruppen einzuordnen, nämlich:
  • Fundamentale Faktoren
  • Charttechnischer Faktoren
  • Psychologische Faktoren
  • Politische Ereignisse / Krisen
  • Wirtschaftliche Entwicklung / Situation
  • Zinssituation am Kapitalmarkt
Mit dem ersten Punkt, den fundamentalen Faktoren, sind insbesondere Nachrichten über das jeweilige Unternehmen sowie Zahlen und Daten zur Aktiengesellschaft gemeint. Werden beispielsweise auf der jährlichen Hauptversammlung die Zahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres präsentiert oder Zwischenberichte veröffentlicht, hat dies meistens einen positiven oder negativen Einfluss auf den Kurs der jeweiligen Aktie. Zu den wichtigen Zahlen gehören beispielsweise der erzielte Gewinn, andere bilanztechnische Zahlen oder auch neue Aufträge und Kunden, die das Unternehmen gewinnen konnte. All diese Kennzahlen und Daten finden sich innerhalb der sogenannten Fundamentalanalyse vor, auf die wir an anderer Stelle noch näher eingehen werden. Nicht unwichtig sind allerdings auch sogenannte charttechnische Faktoren. Die Charttechnik beschäftigt sich damit, wie sich Aktienkurse in der Vergangenheit verhalten haben und versucht daraus abzuleiten, unter welchen Voraussetzungen welche zukünftige Kursbewegung eintreten könnte. Nicht selten ist es allerdings so, dass sich Angebot und Nachfrage auf fundamentaler Basis gar nicht ändern müssten, aber allein die Tatsache für Bewegung am Markt soll, dass die Aktie beispielsweise einen aus charttechnischer Sicht interessanten Kurs erreicht hat. Aber auch das Verhalten der Anleger hat einen größeren Einfluss auf die Börsenkurse, als man vielleicht zunächst glauben mag. Psychologische Faktoren spielen hier eine größere Rolle, wie zum Beispiel Angst, Panik vor Verlusten oder die Erwartung noch höherer Gewinne. Nur dann, wenn Sie möglichst vieler dieser Einflussfaktoren kennen und auch wissen, wie sich Entwicklungen am Markt, politische Krisen sowie Zinsschritte der EZB wahrscheinlich auf Aktienkurse auswirken werden, können Sie gut einschätzen, wann ein möglichst optimaler Kauf- oder Verkaufzeitpunkt für einzelne Aktien ist.
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