Abgeltungssteuerrechner - Kapitalertragsrechner

Die Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge (Kapitalertragsteuer) wird auf das Einkommen aus Kapitalvermögen erhoben. Es gibt sie auch im Rahmen der Körperschaftssteuer. Hier soll es um die Kapitaleinkünfte gehen.


Was ist eine Abgeltungssteuer?

Die Steuer heißt Abgeltungssteuer, weil sie pauschal als Quellensteuer zu einem festen Steuersatz erhoben und an der Quelle ihrer Entstehung – von der Bank, bei welcher die Kapitaleinkünfte generiert werden – an das Finanzamt abgeführt wird. Es gibt auch die Möglichkeit, die Kapitalertragsteuer nach dem persönlichen Einkommensteuersatz zu berechnen, was bei ansonsten niedrigen Einkünften und einem Steuersatz von deutlich unter 25 % vorteilhaft sein kann. Allerdings wählen nur sehr wenige Steuerpflichtige diesen Weg. Wenn sie dem gesonderten Steuertarif nach § 32d EStG für Einkünfte aus einem Kapitalvermögen unterworfen wird, beträgt die Steuer einheitlich 25 % plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Bank führt sie automatisch an das Finanzamt ab, der Steuerpflichtige erhält darüber eine Mitteilung. Er kann, muss aber nicht die Einkünfte und die bereits gezahlte Steuer in seiner Einkommensteuererklärung angeben. Kapitalerträge, die dieser Steuer unterworfen sind, können Zinsen auf Kapitalanlagen, Dividenden, Gewinne aus Wertpapiergeschäften oder auch Erträge aus manchen Versicherungsverträgen sein (nicht grundsätzlich). Bestimmte Fonds und auch Zinsen aus privat gewährten Darlehen sind ausgenommen. Der § 43 Absatz 2 EStG listet alle Ausnahmen auf, bei denen keine Kapitalertragsteuer erhoben wird.

Berechnung der Kapitalertragsteuer

Der Grundsteuersatz beträgt 25 %, der Solidaritätszuschlag 5,5 % von der entrichteten Kapitalertragsteuer, der Kirchensteuersatz je nach Bundesland 8 oder 9 % wiederum von der Kapitalertragsteuer. Daraus ergeben sich im Jahr 2016

  • 26,3750 % ohne Kirchensteuer,
  • 27,8186 % mit 8 % Kirchensteuer sowie
  • 27,9951 % mit 9 % Kirchensteuer.

Die Berechnung ist komplex, denn die Kirchensteuer verringert die Bemessungsgrundlage. Steuerpflichtige sollten sich die ungefähren Prozentsätze merken. Die Steuer wird nur auf die Kapitalerträge über dem Freibetrag von 801 Euro pro Person fällig. Es handelt sich wohlgemerkt um den Ertrag, nicht um das Gesamtvolumen der Kapitalanlage. Wenn es sich also beispielsweise um eine Festgeldanlage mit 2,5 % Gewinn handeln sollte, müsste der Steuerpflichtige rund 32.500 Euro angelegt haben (Gewinn dann: 812,50 Euro), bevor er überhaupt eine Mini-Steuer zahlt. Diese betrüge in diesem Fall bei einem Kirchensteuersatz von 8 % genau 3,20 Euro.

Abgeltungssteuer FAQ

Was hat sich bei der Abgeltungssteuer geändert?

Die Abgeltungssteuer in ihrer heutigen Form gibt es seit 2009, sie wurde vereinfacht und vereinheitlicht. Früher wurden unterschiedliche Kapitalanlageformen auch sehr unterschiedlich besteuert. Das kommt ertragsorientierten Anlagestrategien entgegen

Gibt es Ausnahmen von der Regel der 25 % Besteuerung?

Diese gibt es. Zinsen aus einem privaten Darlehen, Erträge aus ausländischen thesaurierenden Fonds, Zinserträge aus Hypotheken, Renten aus Rentenschulden, Zinsen aus Grundschulden, Erträge aus dem Verkauf von Kapitallebensversicherungen und stillen
Unternehmensbeteiligungen sowie einige Erträge aus Fremdwährungsgeschäften unterliegen nicht der Abgeltungssteuer.

Gibt es weiterhin Freibeträge?

Der Freibetrag von 801 Euro pro Person oder 1.602 bei gemeinsam veranlagten Paaren bleibt erhalten.

Wie wird die Abgeltungssteuer ausgerechnet?

Es werden 25 % auf den Kapitalertrag über dem Freibetrag errechnet, von diesem Rechnungsbetrag werden 5,5 % Soli und 8 oder 9 % Kirchensteuer (bei entsprechender Veranlagung) berechnet. Die Kirchensteuer mindert die Berechnungsgrundlage, sie ist abzugsfähig. Wegen dieser komplexen Berechnung ist es sinnvoller, sich den Steuersatz 26,3750 % (ohne Kirchensteuer), 27,8186 % (8 % Kirchensteuer) oder 27,9951 % (9 % Kirchensteuer) zu merken.

Kann ich bei diesen Kapitaleinkünften Werbungskosten, wie z.B. Depotgebühren, geltend machen?

Wenn Depotgebühren und auch Steuerberatungskosten entstehen, kann sie der Steuerpflichtige geltend machen, muss sie aber dann inklusive der gezahlten Steuer gesondert in seiner Steuererklärung anführen (Anlage KAP). Seit der Einführung der Abgeltungssteuer im Jahr 2009 war dieser Punkt für einige Finanzämter unklar, sie lehnten den Steuerabzug für die Kosten ab. Steuerpflichtige erhoben Einspruch, Finanzämter widersprachen diesem, es gab Prozesse. Inzwischen hat sich allgemein die Rechtsauffassung durchgesetzt, dass die Depotgebühren und andere Kosten abzugsfähig sind. Wenn das Finanzamt diese Kosten nicht anerkennt, sollten Steuerpflichtige dem Bescheid widersprechen.

Können Altverluste verrechnet werden?

Bei Kapitalerträgen können unterjährige Verluste gegen Gewinne verrechnet werden, allerdings vielfach nur innerhalb derselben Anlageklasse (Verlust aus Aktiengeschäft gegen Gewinn aus Aktiengeschäft, aber nicht Verlust aus Aktiengeschäft gegen Gewinn aus Festgeldanlage). Es ist ein Übertrag von Verlusten ins Folgejahr möglich (§ 43a Absatz 3, Seite 2 ff. EStG). Noch ältere Verluste werden nicht anerkannt.

Autor
Thomas Schulz
Erste Veröffentlichung
Letzte Aktualisierung: