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Transparenz

Dividendenrechner

Ob Dividenden wieder angelegt oder ausgezahlt werden, entscheidet über einen großen Teil des Endkapitals. Der Rechner stellt beide Wege über die gesamte Anlagedauer gegenüber – mit Dividendenwachstum, Kursentwicklung und optionaler Steuer.
Geschrieben von
Janine El-Saghir
Das Wichtigste in Kürze
  • Der Schalter oben ist die eigentliche Frage der Seite: Dividenden reinvestieren oder auszahlen lassen. Mit den Voreinstellungen trennt beide Wege nach 25 Jahren ein Unterschied von rund 38.600 €.
  • Der Unterschied entsteht nicht dadurch, dass ausgezahlte Dividenden „weg“ wären – der Rechner zählt sie weiter mit. Es fehlt allein der Ertrag auf die Erträge.
  • Dividenden sind keine Zinsen. Sie werden jedes Jahr neu beschlossen, können gekürzt oder gestrichen werden und hängen am Beschluss der Hauptversammlung.
  • Steuerlich ist die Ausschüttung der teurere Weg: Sie wird bei Zufluss besteuert, ein Kursgewinn erst beim Verkauf.

Reinvestieren oder auszahlen: der Unterschied in Zahlen

Beide Wege lassen sich mit denselben Annahmen durchrechnen. Die folgende Gegenüberstellung nutzt die Voreinstellungen des Rechners: 25.000 € Anfangskapital, 1.000 € jährliche Einzahlung, 3,5 % Dividendenrendite, 2,5 % jährliches Dividendenwachstum, 1,5 % Kurssteigerung, 25 Jahre Laufzeit, ohne Steuern.

Reinvestition gegen Auszahlung, 25 Jahre, eingezahlt insgesamt 50.000 € (25.000 € zu Beginn plus 25 × 1.000 €)
Ergebnis Dividenden reinvestiert Dividenden ausgezahlt
Endkapital 150.879,21 € 112.237,56 €
davon Depotwert 150.879,21 € 66.336,65 €
davon aufgelaufene Auszahlungen – 45.900,91 €
Gesamte Dividendenerträge 74.519,13 € 45.900,91 €
Kumulierte Rendite 201,76 % 124,48 %
Nachgerechnet mit der Rechenlogik aus web-calc/src/dividendrechner.js, Stand 02.09.2026. Die Zeile „davon Depotwert“ gibt der Rechner nicht aus; sie ist die Differenz aus Endkapital und aufgelaufenen Auszahlungen.

Der entscheidende Punkt steht in der zweiten und dritten Zeile: Bei der Auszahlung sind die 45.900,91 € Dividenden im Endkapital enthalten – sie liegen nur auf dem Konto statt im Depot. Die Lücke von rund 38.600 € ist deshalb kein verlorenes Geld, sondern die Rendite, die diese Beträge nicht mehr erwirtschaftet haben. Genau das ist der Zinseszinseffekt, angewandt auf Ausschüttungen.

Wer aus dem Depot leben will, tauscht diesen Effekt bewusst gegen laufende Einnahmen ein. Wer noch aufbaut, hat wenig Grund dazu.

Was der Rechner rechnet

Der Rechner arbeitet Jahr für Jahr und in dieser Reihenfolge: Zuerst steigen Kurs und Dividende je Aktie um die eingestellten Prozentsätze, dann wird die jährliche Einzahlung zum neuen Kurs investiert, dann fällt die Dividende auf den gesamten Bestand an – und zuletzt wird sie entweder wieder angelegt oder aufs Konto gebucht.

  • Berechnungsart. „Portfolio“ rechnet mit einem Anfangskapital, „Einzelaktien“ mit Stückzahl mal Kaufkurs. Auf das Ergebnis wirkt sich das kaum aus – die Rechnung braucht nur einen Startbetrag.
  • Dividendenrendite. Der Wert legt die Dividende des ersten Jahres fest. Danach wächst die Dividende mit dem Dividendenwachstum, der Kurs mit der Kurssteigerung. Sind beide Prozentsätze verschieden, verändert sich die Rendite im Zeitverlauf: Mit den Voreinstellungen (2,5 % gegen 1,5 %) steigt sie, weil die Dividende schneller wächst als der Kurs.
  • Steuer. Optional; sie greift ausschließlich auf die Dividenden und erst oberhalb des eingestellten Freibetrags, der in jedem Jahr neu zur Verfügung steht. Kursgewinne bleiben in der Rechnung unversteuert – realistisch, solange nicht verkauft wird.

Mit eingeschalteter Steuer (26,375 % und 1.000 € Freibetrag) sinkt das Endkapital der Reinvestitionsvariante von 150.879,21 € auf 132.962,63 €, das der Auszahlungsvariante von 112.237,56 € auf 106.704,76 €. Der Abstand schrumpft – wer reinvestiert, zahlt zwar auf dieselben Dividenden dieselbe Steuer, hat aber mehr davon.

Welche Annahmen realistisch sind

Alle vier Prozentwerte im Rechner sind Annahmen, nicht Messwerte. Zwei Bezugspunkte helfen bei der Wahl.

Zur Höhe der Ausschüttungen: Die 40 DAX-Konzerne haben 2026 zusammen 55,3 Milliarden Euro ausgeschüttet, nach 52,2 Milliarden im Vorjahr – ein Plus von 5,9 % und der höchste Wert, den es bisher gab. 25 Unternehmen haben erhöht, zehn gekürzt, bei fünf blieb die Summe gleich (EY, 05.04.2026).

Zur Verlässlichkeit: Im selben Jahr stieg der den Aktionären zuzurechnende Jahresüberschuss um 25 % auf 115,6 Milliarden Euro – aber das ist ein Basiseffekt. EY schreibt dazu, im Vorjahr hätten „nicht zahlungswirksame Wertberichtigungen der Porsche Automobil Holding in Höhe von 23,3 Milliarden Euro das Ergebnis stark belastet“; bereinigt lagen die Konzernergebnisse um 0,1 % unter dem Vorjahr. Die Ausschüttungen sind also gestiegen, während die Gewinne stagnierten.

Dividendenwachstum ist keine Zusage

Ein Wert von 2,5 % im Feld „Erwartetes Dividendenwachstum“ wirkt harmlos, wird über 25 Jahre aber zum Faktor 1,85. Er unterstellt, dass ein Unternehmen ein Vierteljahrhundert lang jedes Jahr erhöht. Selbst im DAX, dem Index der größten deutschen Unternehmen, haben 2026 zehn von 40 Konzernen die Dividende gekürzt, bei fünf weiteren blieb sie unverändert. Rechnen Sie das Vorhaben einmal mit 0 % Wachstum gegen, um die Bandbreite zu sehen.

Warum Ausschüttungen steuerlich der teurere Weg sind

Dividenden gehören zu den Einkünften aus Kapitalvermögen (§ 20 Absatz 1 Nummer 1 EStG) und werden bei Zufluss besteuert – jedes Jahr, auf den vollen Betrag über dem Sparer-Pauschbetrag. Ein Kursgewinn dagegen entsteht auf dem Papier und wird erst beim Verkauf besteuert. Das ist der strukturelle Nachteil der Ausschüttungsstrategie: Sie zieht Steuer vor, die sonst später anfiele.

Der Steuersatz beträgt 25 % zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag, insgesamt also 26,375 %, mit Kirchensteuer bis zu 27,9951 %. Wie sich das im Einzelfall auswirkt, rechnet der Abgeltungsteuer-Rechner.

Zwei Punkte kommen bei Dividenden hinzu, die in kaum einem Ratgeber stehen:

  • Aktienverluste helfen hier nicht. Verluste aus dem Verkauf von Aktien dürfen nur gegen Gewinne aus dem Verkauf von Aktien verrechnet werden (§ 20 Absatz 6 Satz 4 EStG). Dividenden nimmt dieser Topf nicht auf.
  • Dividenden-ETFs sind teilfreigestellt, Einzelaktien nicht. Bei Aktienfonds sind 30 % der Erträge steuerfrei (§ 20 InvStG). Auf dieselbe Bruttodividende zahlen Sie über einen ETF also weniger Steuer als über die Aktie direkt.

Dividendenrendite auf Einstandskurs: die Kennzahl mit dem Kleingedruckten

Die klassische Dividendenrendite misst die Ausschüttung am heutigen Kurs. Die Rendite auf den Einstandskurs misst sie an dem, was Sie selbst bezahlt haben – und steigt deshalb mit jeder Dividendenerhöhung, ohne dass sich am Unternehmen etwas ändert.

Der Rechner gibt hier die Dividenden des letzten Jahres im Verhältnis zu allen Einzahlungen aus. In der Auszahlungsvariante ergibt das mit den Voreinstellungen 5,93 %, in der Reinvestitionsvariante 12,92 % – der höhere Wert enthält auch die Dividenden jener Anteile, die selbst aus Dividenden gekauft wurden. Als Erfolgsmaß taugt die Zahl deshalb nur begrenzt, und für den Vergleich zweier Aktien gar nicht: Sie hängt am eigenen Einstiegszeitpunkt, nicht an der Qualität der Ausschüttung.

Grenzen dieser Modellrechnung

  • Gleichmäßiges Wachstum gibt es nicht. Kurse und Dividenden bewegen sich in Sprüngen. Das Modell verteilt beides gleichmäßig über die Jahre – für die Größenordnung brauchbar, für einzelne Jahre nicht.
  • Am Ex-Tag fällt der Kurs. Die Dividende verlässt das Unternehmensvermögen, der Kurs wird um ungefähr den ausgeschütteten Betrag herabgesetzt. Am Ausschüttungstag entsteht kein Vermögen, es wechselt nur die Form. Der Rechner bildet das nicht ab, weil er in Jahresschritten arbeitet.
  • Keine Kosten. Ordergebühren, Depotgebühren und die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs fehlen. Bei 25 jährlichen Käufen summiert sich das – was die einzelnen Broker je Order verlangen, steht im Depot-Vergleich.
  • Keine Wechselkurse und keine Quellensteuer. Ausländische Dividenden tragen Quellensteuer des Sitzstaats; anrechenbar sind höchstens 25 % je Ertrag (§ 32d Absatz 5 EStG).
  • Der DAX enthält Dividenden bereits. Er ist ein Performanceindex und unterstellt die sofortige Wiederanlage jeder Ausschüttung. Eine „DAX-Rendite“ darf deshalb nicht zusätzlich um eine Dividendenrendite ergänzt werden – ein Additionsfehler, der in Ratgebertexten verbreitet ist.

Dieser Text ordnet die Rechtslage ein und ersetzt keine Anlage- oder Steuerberatung im Einzelfall.

Häufig gestellte Fragen zu Dividenden

Der Rechner kombiniert mehrere Faktoren: Anfangskapital, mögliche jährliche Einzahlungen, Dividendenrendite, Dividendenwachstum und angenommene Kursentwicklung. Aus diesen Werten wird berechnet, wie sich Dividendenerträge und Depotwert im gewählten Zeitraum entwickeln könnten.

Die Dividendenrendite auf Einstandskurs zeigt, wie hoch die jährlichen Dividenden im Verhältnis zu Ihrem ursprünglichen Investment sind. Wenn Unternehmen ihre Dividenden regelmäßig erhöhen, kann diese Kennzahl im Laufe der Zeit deutlich steigen.

Ja, auf Wunsch. Besteuert werden dabei ausschließlich die Dividenden, und auch die erst oberhalb des eingestellten Freibetrags, der in jedem Jahr neu zur Verfügung steht. Kursgewinne bleiben in der Rechnung unversteuert – was der Realität entspricht, solange nicht verkauft wird. Voreingestellt sind 26,375 % Steuersatz und 1.000 Euro Freibetrag.

Ja. Der Rechner eignet sich sowohl für einzelne Dividendenaktien als auch für ein gesamtes Portfolio. Sie können beispielsweise berechnen, wie sich die Dividenden einer einzelnen Aktie entwickeln könnten oder welche Erträge ein breit aufgestelltes Dividendenportfolio über viele Jahre erzeugen kann. Dabei spielt es keine Rolle, über welche Bank oder welchen Online-Broker Sie Ihre Wertpapiere gekauft haben.

Ja. Sie können im Rechner verschiedene Szenarien simulieren, etwa den Kauf einer bestimmten Anzahl von Aktien oder regelmäßige Einzahlungen in ein Dividendenportfolio. Dadurch lässt sich nachvollziehen, welche Auswirkungen zusätzliche Käufe oder steigende Sparbeträge auf Dividendenerträge und Depotwert haben können.

Über die Autorin
Janine El-Saghir Finanzanalystin & Wirtschaftsredakteurin Dr. Janine El-Saghir ist eine erfahrene Finanzanalystin und Wirtschaftsredakteurin, die sich darauf spezialisiert hat, komplexe Finanzthemen für Anleger verständlich aufzubereiten. Mit über 16 Jahren Erfahrung...