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Fundamentalanalyse
Was ist die Fundamentalanalyse?
Wer eine Aktie kauft, erwirbt einen Anteil an einem Unternehmen. Ob dieser Anteil seinen Preis wert ist, lässt sich nicht am Kursverlauf ablesen, sondern nur am Unternehmen selbst. Genau das ist die Aufgabe der Fundamentalanalyse: Sie bewertet ein Unternehmen anhand seiner Geschäftszahlen und leitet daraus ab, ob die Aktie am Markt über- oder unterbewertet ist.
Die Gegenposition dazu ist die technische Analyse, die ausschließlich Kursverläufe und Handelsvolumina betrachtet. Beide Ansätze schließen sich nicht aus – viele Anleger nutzen die Fundamentalanalyse für die Auswahl und die technische Analyse für den Zeitpunkt. Für langfristig orientierte Anleger, die Aktien kaufen und verkaufen und dabei nicht auf kurzfristige Schwankungen setzen, ist die Fundamentalanalyse der wichtigere der beiden Wege.
Die Bilanz: Woher das Kapital eines Unternehmens kommt
Jede Fundamentalanalyse beginnt bei der Bilanz. Sie zeigt auf zwei Seiten, worüber ein Unternehmen verfügt und wem dieses Vermögen wirtschaftlich zusteht. Die Summe beider Seiten – sie muss identisch sein – ist die Bilanzsumme und damit der erste grobe Anhaltspunkt für die Größe eines Unternehmens.
Auf der Kapitalseite stehen sich zwei Posten gegenüber:
- Eigenkapital gehört dem Unternehmen selbst. Es entsteht aus Einlagen der Eigentümer und aus einbehaltenen Gewinnen und muss nicht zurückgezahlt werden.
- Fremdkapital ist geliehen. Es stammt aus Krediten, Anleihen oder Rückstellungen und ist mit Rückzahlungs- und meist auch Zinsverpflichtungen verbunden.
Ein Sonderfall ist das Geldkapital – jener Teil des Vermögens, der nicht in Maschinen oder Gebäuden gebunden ist, sondern als Guthaben oder in Wertpapieren frei verfügbar bleibt. Es sagt etwas darüber aus, wie beweglich ein Unternehmen kurzfristig ist.
Die wichtigsten Kennzahlen im Überblick
Aus der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung lassen sich Kennzahlen bilden, die Unternehmen vergleichbar machen. Die folgenden fünf begegnen Ihnen in nahezu jeder Analyse.
Eigenkapitalquote
Die Eigenkapitalquote setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Sie beantwortet die Frage, wie viel des Unternehmensvermögens tatsächlich dem Unternehmen gehört. Eine hohe Quote steht für finanzielle Stabilität und Unabhängigkeit von Gläubigern, eine niedrige für eine stärkere Verschuldung. Was als solide gilt, ist stark branchenabhängig: Banken arbeiten strukturell mit deutlich niedrigeren Quoten als Industrieunternehmen.
Eigenkapitalrendite
Die Eigenkapitalrendite – häufig gleichbedeutend als Eigenkapitalrentabilität bezeichnet – misst, wie viel Gewinn ein Unternehmen aus dem eingesetzten Eigenkapital erwirtschaftet. Sie errechnet sich aus Gewinn geteilt durch Eigenkapital, multipliziert mit 100.
Diese Kennzahl hat eine Tücke: Sie steigt auch dann, wenn ein Unternehmen sein Eigenkapital reduziert und stärker mit Fremdkapital arbeitet. Eine hohe Eigenkapitalrendite bei gleichzeitig sinkender Eigenkapitalquote ist deshalb kein Qualitätsmerkmal, sondern ein Hinweis auf steigendes Risiko. Beide Zahlen gehören immer zusammen betrachtet.
EBIT
Das EBIT – Earnings Before Interest and Taxes – ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern, im Deutschen auch operatives Ergebnis genannt. Es zeigt, was das eigentliche Geschäft verdient, unabhängig von der Finanzierungsstruktur und der Steuerlast des jeweiligen Landes. Genau deshalb eignet es sich gut für den Vergleich von Unternehmen aus verschiedenen Staaten.
EBITDA
Das EBITDA geht einen Schritt weiter und rechnet zusätzlich Abschreibungen heraus. Übrig bleibt die operative Leistungsfähigkeit vor dem Investitionsaufwand. Das ist aussagekräftig bei kapitalintensiven Unternehmen – kann aber auch verdecken, dass ein Unternehmen erhebliche Summen in seine Anlagen stecken muss, um überhaupt weiterarbeiten zu können. Das EBITDA gehört zu den sogenannten Pro-Forma-Kennzahlen und ist nicht einheitlich definiert.
Marktkapitalisierung
Die Marktkapitalisierung ist keine Bilanzkennzahl, sondern eine Bewertung durch den Markt: Aktienkurs multipliziert mit der Anzahl aller ausstehenden Aktien. Sie bestimmt, ob ein Unternehmen als Small, Mid oder Large Cap gilt, und entscheidet über die Aufnahme in Indizes wie den DAX oder MDAX. Die größten Werte eines Marktes werden als Blue Chips bezeichnet.
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Grenzen der Fundamentalanalyse
Kennzahlen beschreiben die Vergangenheit. Sie beruhen auf veröffentlichten Abschlüssen, die je nach Rechnungslegungsstandard unterschiedlich zustande kommen und regelmäßig mehrere Monate alt sind. Ein Unternehmen kann fundamental solide dastehen und trotzdem an Wert verlieren, wenn sich sein Markt verändert.
Hinzu kommt, dass Kennzahlen nur innerhalb einer Branche wirklich vergleichbar sind. Eine Eigenkapitalquote von 15 Prozent bedeutet bei einer Bank etwas völlig anderes als bei einem Maschinenbauer. Wer Unternehmen bewertet, sollte deshalb immer gegen den Branchendurchschnitt und über mehrere Jahre hinweg vergleichen, nicht gegen eine absolute Zielmarke.
Auch die Streuung bleibt entscheidend: Selbst eine sorgfältige Analyse ersetzt kein breit aufgestelltes Portfolio über verschiedene Anlageklassen hinweg.
Fazit
Die Fundamentalanalyse gibt Ihnen ein Werkzeug an die Hand, um Unternehmen unabhängig von der Stimmung am Markt zu beurteilen. Bilanzsumme, Eigenkapitalquote und EBIT zeigen die Substanz, Eigenkapitalrendite und EBITDA die Ertragskraft, die Marktkapitalisierung die Einschätzung des Marktes. Keine dieser Zahlen trägt für sich allein – erst im Zusammenspiel und im Zeitverlauf ergeben sie ein belastbares Bild.
Wenn Sie auf dieser Grundlage investieren möchten, benötigen Sie zunächst ein passendes Depot. Unser Depot-Vergleich zeigt Ihnen, welche Anbieter zu Ihrem Anlagestil passen; Einsteiger finden im Depot-Vergleich für Anfänger einen leichteren Einstieg.